Connect with us

Hi, what are you looking for?

Aktuell

Mehrheit gegen Recht auf Homeoffice

Den Arbeitsort frei wählen dürfen? 56 Prozent der Bundesbürger sehen geplanten Rechtsanspruch auf Homeoffice kritisch. Kritiker fürchten Zwei-Klassen-Gesellschaft, weniger Austausch und faule Kollegen.

Die Pläne des Bundesarbeitsministeriums für ein Recht auf Homeoffice stoßen in der deutschen Bevölkerung überwiegend auf Ablehnung. Eine Mehrheit von 56 Prozent würde einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie er aktuell diskutiert wird, nicht begrüßen. Dem stehen 40 Prozent gegenüber, die den Vorschlag willkommen heißen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen telefonischen Befragung von mehr als 1.000 Personen in Deutschland ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Das Bundesarbeitsministerium plant, ein Recht auf Homeoffice einzuführen, wonach alle Erwerbstätigen, deren Tätigkeit von zuhause aus ausgeübt werden kann, einen Anspruch darauf haben, ihren Arbeitsort an einer bestimmten Anzahl von Tagen im Jahr frei zu wählen. An dieser Frage scheiden sich die Generationen: Während die Gruppe der 16- bis 29-Jährigen das Vorhaben mit 51 Prozent mehrheitlich begrüßt, überwiegt in den Altersgruppen ab 30 Jahren die Ablehnung mit 58 Prozent.

ANSPRUCH AUF HOMEOFFICE
Das SPD-geführte Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Gesetzesinitiative für eine gesetzliche Regelung zur mobilen Arbeit gestartet. Mit dem Anfang Oktober 2020 vorgelegten Gesetzentwurf soll der Anspruch eines Arbeitnehmers auf 24 Tage Homeoffice pro Jahr gesetzlich verankert werden. Der Gesetzentwurf stößt in der Regierungskoalition auf Widerstand.

„In der Krise haben Homeoffice und mobiles Arbeiten vielen Unternehmen und Beschäftigten sehr dabei geholfen, das Geschäft am Laufen zu halten und die zusätzlichen Herausforderungen sowohl im Berufs- wie im Privatleben besser miteinander zu vereinbaren. Trotz der weit überwiegend positiven Erfahrungen sieht eine Mehrheit der Bürger die Pläne für einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice kritisch“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Viele befürchten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Beschäftigten: Für jeden zweiten Befragten (48 Prozent) spricht gegen ein Recht auf Homeoffice die Ungerechtigkeit gegenüber Kollegen, deren Tätigkeit nicht für Homeoffice geeignet ist. Unter den Gegnern des Rechts auf Homeoffice sagen dies sogar 63 Prozent. Vier von zehn (40 Prozent) befürchten weniger Austausch mit Kollegen, unter den Gegnern sind es 53 Prozent. Jeder Dritte (32 Prozent) meint, Kollegen im Homeoffice würden weniger arbeiten, bei den Gegnern des Rechtsanspruchs sagen das 45 Prozent. Und jeder Fünfte (20 Prozent) sieht einen unzulässigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit, bei den Gegnern ist es jeder Dritte (32 Prozent). Jeder Sechste (17 Prozent) sorgt sich um die Datensicherheit, unter den Gegnern jeder Fünfte (20 Prozent).

Moderne flexible Arbeitsformen in Einklang mit der Unternehmenskultur

„Homeoffice sollte nicht staatlich verordnet werden, sondern die Entscheidung darüber, wie gearbeitet wird, muss beim Arbeitgeber liegen. Moderne flexible Arbeitsformen sind kein Selbstzweck und müssen im Einklang mit der Unternehmenskultur stehen und zu den innerbetrieblichen Prozessen passen“, sagt Berg. Der Digitalverband empfiehlt, dass der Staat Anreize für zeit- und ortsflexibles Arbeiten setzt, ohne diesen Bereich übermäßig zu regulieren. „Wer regelmäßig zu Hause arbeitet und dabei hilft, Staus zu vermeiden und die Umwelt zu schonen, sollte dafür belohnt werden und steuerlich mit Berufspendlern gleichgestellt werden. Arbeitnehmer, die jetzt in der Krise aus beruflichen Gründen in ihre Heim-IT investieren, sollten zudem einen einmaligen Steuerbonus erhalten.“ Langfristig sollten Ausgaben für die IT- und Telekommunikations-Ausstattung eines häuslichen Arbeitsplatzes – unabhängig davon, ob ein Arbeitszimmer vorhanden ist oder nicht – pauschal als Werbungskosten geltend gemacht werden können.

Bildquellen

Anzeige

Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

Weitere Beiträge

Aktuell

Viele Betriebe bereiten sich auf die Rückkehr ihrer Mitarbeitenden aus dem Homeoffice in die Büros vor. Eine Umfrage zeigt, dass die Beschäftigten dabei Wert...

Aktuell

Corona und die Folgen: Die alten Spielregeln sind nicht mehr gültig und wer wirtschaftlich überleben will, muss jetzt raus aus der Komfortzone.

Interviews

Nach dem Lockdown merkte Projektmanagerin Julia von Bomsdorff schnell, wie herausfordernd es war, Job und Unterricht zu Hause unter einen Hut zu bekommen. Als...

Aktuell

Gut motiviert und im wahrsten Wortsinn „gut gestimmt“ zu sein, ist in der Zeit von Homeoffice-Arbeit besonders wertvoll. Dies ist ein Spezialgebiet von Kat...

Aktuell

Ein Großteil der Beschäftigten mit Homeoffice-Erlaubnis fährt lieber ins Büro als den Arbeitsort nach Hause zu verlegen. Die Mehrheit der rechnet mit steigendem Homeoffice-Anteil....

Aktuell

Mobiles Arbeiten ohne festen Schreibtisch, flache Hierarchien und Vertrauensarbeitszeit: Die große Mehrheit der Berufstätigen ist offen für moderne Arbeitskonzepte, die auch unter dem Schlagwort...

Aktuell

Flexibles Arbeiten von zu Hause setzt sich in Unternehmen immer mehr durch. 4 von 10 Arbeitgebern in Deutschland lassen ihre Beschäftigten auch von zu...

Aktuell

Örtlich und zeitlich flexible Arbeitsformen sind in der Digitalbranche weit verbreitet. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. unter 712...

Anzeige
Send this to a friend