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Kolumnen & Glossen

Kolumne „Kann passieren …“ – Sehr geehrter Empfänger

Statt einer Kurzgeschichte erwartet Sie in dieser Ausgabe der Kolumne unsers Autors Andreas Ballnus ein Brief der besonderen Art. Worum es in diesem genau geht, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Aber vielleicht ahnen Sie es ja schon.

Sehr geehrter Empfänger,

anbei erhalten Sie die von Ihnen so sehnlichst erwartete Sendung. Ich hoffe, dass sich Ihr Leben von nun an deutlich verbessert und Sie noch über viele Jahre Ihr irdisches Dasein genießen können.

Aus den mir vorliegenden Informationen entnehme ich, dass Sie schon lange auf diese Lieferung warten. Es ist mir eine große Freude und Ehre, dass ich es bin, der Ihnen Ihren größten Wunsch erfüllen darf. Nun hoffe ich sehr, dass Ihre Erwartungen und Hoffnungen, die mit dieser Sendung verbunden sind, zu Ihrer vollsten Zufriedenheit erfüllt werden. Da ich für mögliche Nachfragen nicht mehr zur Verfügung stehen werde, möchte ich Ihnen gerne vorab einige Informationen weitergeben, die möglicherweise von Bedeutung sein könnten:

Ich habe mein Leben lang nicht geraucht und war dem Alkohol in keiner Weise zugetan. Daraus würde ich an Ihrer Stelle aber nicht unbedingt auf einen gesunden Lebenswandel schließen. So war meine Ernährung leider nicht sonderlich vorbildlich. Vor allem mein Verlangen nach fleischlicher Nahrung war schier unersättlich, während sich mein Interesse an Obst und Gemüse doch sehr in Grenzen hielt. Sportlichen Betätigungen bin ich vornehmlich aus dem Wege gegangen. Allerdings habe ich gerne hin und wieder ausgiebige Spaziergänge und kleine Wanderungen unternommen. Insgesamt erfreute ich mich weitgehend bester Gesundheit, so dass Sie keine qualitätsbedingten Zweifel oder gar Befürchtungen haben müssen.

Vor meinem endgültigen Entschluss, dieser Lieferung zuzustimmen, habe ich mich mit der gesamten Thematik ausführlich beschäftigt. In diesem Zusammenhang bin ich auch auf Berichte von Begleiterscheinungen gestoßen, die sich die Fachwelt nur bedingt erklären kann. Sollten Sie also in Zukunft beispielsweise neue musische oder andere kreative Seiten an sich entdecken, auf den Geschmack von süßen Speisen kommen oder plötzlich unter einer leichten Schlangenphobie leiden, so könnte es sich um eines dieser besagten Phänomene handeln.

Leider bleibt mir nicht mehr die Zeit, Ihnen noch mehr von mir zu berichten. Die Vorbereitungen zur Erstellung dieser Lieferung sind bereits fast abgeschlossen, und ich habe – wie Sie sich vermutlich vorstellen können – noch einige andere Vorkehrungen zu treffen. Daher möchte ich mich nun von Ihnen verabschieden.

Leider war es uns nicht gegönnt, dass wir einander persönlich kennenlernen konnten. Doch Sie können sich gewiss sein, dass ich in Gedanken bei Ihnen bin. Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute und dass die beiliegende Sendung ihren Teil dazu beitragen kann.

Mit herzlichen Grüßen und baldiger Verbundenheit

Ihr Spender

 

–Andreas Ballnus —

_________________________

ZUM AUTOR

Andreas Ballnus
Jahrgang ’63, Liedermacher und Autor.  Unter dem Nick „anbas“ hat er in dem Literaturforum „Leselupe.de“ eine Vielzahl seiner Texte veröffentlicht. Er lebt in Hamburg und verdient sein Geld als Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst. Weitere Informationen: andreasballnus.de.tl

Bildquellen

  • Andreas_Ballnus_: Sebastian Lindau
  • Die Unterschrift: Eisenhans /stock.adobe.com (Fotolia)
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Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

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