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Rezepte für die NSA

Freundschaften müssen gepflegt werden. Hierbei darf man auch gerne mal kreativ sein. Über einen besonderen Weg der Gestaltung unserer freundschaftlichen Beziehungen zu den USA, und speziell der NSA, hat sich unser Kolumnist Andreas Ballnus so seine eigenen Gedanken gemacht.

Bild: beermedia / Adobe Stock

Durch Edward Snowden wissen wir, dass die NSA Millionen von Informationen über uns sammelt. Sie kann weltweit aus jedem Computer alle Daten abrufen, Mails lesen und Telefonate belauschen. Jeder von uns ist davon betroffen.

Das, was sich zunächst einmal sehr übel anhört, ist aber im Grunde nur ein Akt der Freundschaft. Die USA möchten schließlich nur das Beste für die Menschheit. Sie wollen uns beschützen. Dieser Zweck heiligt in den Staaten bekanntlich alle Mittel.

Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, ob die NSA auch schon in meinem PC vorbeigeschaut hat. Das wäre mir aufgrund der Unordnung, die dort herrscht, etwas unangenehm. Doch soviel ich weiß, arbeitet sie hauptsächlich mit Suchprogrammen, die bei bestimmten Stichworten anschlagen, wie zum Beispiel: Bombe, Anschlag, Terror, Zünder, Entführung, Al-Kaida oder Sprengstoff. Da diese Worte von mir gar nicht oder nur sehr selten benutzt werden, dürfte ich bisher eigentlich nicht in ihr Visier geraten sein. Falls doch, ist das auch nicht so schlimm. Ich habe – abgesehen von meiner Unordnung – nichts zu verbergen. Im Gegenteil, auf die abgespeicherten Ergebnisse meiner Online-Spiele bin ich sogar richtig stolz. Von daher wäre ich über einen Besuch unserer Freunde sogar dankbar. Ich könnte ihnen zeigen, dass sie es bei mir mit einem wahren Freund zu tun haben.

Die Arbeit, die von diesen Leuten geleistet wird, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Millionen von Daten werden da gesammelt! Millionen!!! Das sind fast schon eine Milliarde! Diese Informationen alle zu sichten, abzulegen und zu registrieren, damit man sie auch wiederfinden kann, muss eine Wahnsinnsarbeit sein. Aus Dankbarkeit für die Mühe, die sich die NSA macht, habe ich mir überlegt, wie ich sie ein wenig unterstützen kann. Schließlich wollen die USA und ich dasselbe, nämlich den Frieden.

Der erste Schritt meiner Unterstützung wird der sein, dass ich deutlich auf meine Freundschaft ihnen gegenüber hinweise. So werde ich eine Signatur für meine Mails anfertigen, in der folgender Hinweis steht: „ Liebe NSA, ich habe nichts zu tun mit Bomben, Anschlägen, Terror, Zündern, Entführungen, Al-Kaida oder Sprengstoff. Ich bin ein Freund!“ Wenn die das dann lesen, wissen sie gleich Bescheid und können mit meinen Daten wesentlich entspannter umgehen.

Als weitere Arbeitserleichterung werde ich in meinen Dateien einen speziellen Ordner anlegen, der die Bezeichnung „NSA-Info“ erhalten wird. Darin sammele ich dann alle Informationen, die aus meiner Sicht von größerem Interesse sind. So habe ich zum Beispiel neulich einen interessanten Artikel über die zu schnelle und daher gesundheitsgefährdende Atmung bei Buntbarschen gelesen. Den würde ich in diesen Ordner packen, denn ich bin überzeugt davon, dass auch Informationen, die zunächst scheinbar nichts mit unserer eigentlichen Mission, dem Weltfrieden, zu tun haben, von immenser Bedeutung sein können.

Über diesen Ordner kann ich unsere Freunde aus Übersee, aber auch in anderen Lebensbereichen unterstützen. Es ist ja bekannt, dass die Ernährung vieler Amerikaner nicht so gut ist. Auch der Ruf der amerikanischen Küche ist nicht gerade der beste. Hier möchte ich auf jeden Fall helfen und werde daher auf diesem Wege einige besonders gute Rezepte meiner Mutter zur Verfügung stellen.

Arbeit sollte aber auch immer Spaß machen. Deshalb will ich ein wenig zur Erheiterung dieser hart schuftenden Menschen beitragen. Also werde ich zusätzlich einige Cartoons und Witze in diesem Ordner ablegen sowie einen Livemitschnitt der Prunksitzung des Büsumer Karnevalsvereins, der mir freundlicherweise vom Cousin des Schwagers meines Hausmeisters zur Verfügung gestellt wurde.

Das soll natürlich nicht alles sein, sondern ist nur der Anfang. Ich will mir noch weitergehende Gedanken machen, wie ich unseren Beschützern aus den Vereinigten Staaten helfen kann. Zwischendurch werde ich auf jeden Fall auch immer mal wieder nachfragen, wie zufrieden sie mit meinen bisherigen Bemühungen sind. Diese Anfragen kommen dann in einen Unterordner des NSA-Ordners, der „Contact“ heißen wird. Abschicken brauch ich sie nicht – die NSA wird ja sowieso vorbeischauen. Und ich bin mir sicher – einem Freund wie mir werden sie auch antworten.

 

–Andreas Ballnus —

_________________________

ZUM AUTOR

Andreas Ballnus
Jahrgang ’63, Liedermacher und Autor. Außerdem ist er Gründungs- und Redaktionsmitglied der Stadtteilzeitung „BACKSTEIN“. Unter dem Nick „anbas“ hat er in dem Literaturforum „Leselupe.de“ eine Vielzahl seiner Texte veröffentlicht. Er lebt in Hamburg und verdient sein Geld als Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst. Weitere Informationen: andreasballnus.de.tl

 

 

Bildquellen

  • Andreas Ballnus: Sebastian Lindau
  • Amerikas Spionage: beermedia / Adobe Stock
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