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Studie: Vergütungsfaktoren für Vorstände begünstigen nachhaltiges Handeln

In immer mehr börsennotierten Unternehmen spielen ESG-Messgrößen, die sich auf Umwelt (Environment), Soziales und Gesellschaft (Social) sowie Unternehmensführung (Governance) beziehen, bei der variablen Vergütung des Vorstands eine Rolle.

anncapictures / Pixabay.com

Die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit ist zwischenzeitlich auch auf Ebene der Vorstände börsennotierter Unternehmen in Deutschland angekommen. Mit konkreten Messgrößen (KPIs) in der variablen Vergütung des Vorstands insgesamt sowie Vorstandsressorts mit Bezug zu Corporate Social Responsibility (CSR) steigt der Anreiz für Vorstände, ihr Unternehmen nachhaltiger zu gestalten. Diese und weitere Schlussfolgerungen lässt die diesjährige Studie „Nachhaltigkeit im Wandel“ der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Beratungsgesellschaft und Kommunikationsagentur Kirchhoff Consult AG zu.

Studie umfasst 160 börsennotierte Unternehmen

Bereits zum neunten Mal in Folge haben sie gemeinsam alle Nachhaltigkeitsberichte und nichtfinanziellen Erklärungen/Berichte der 160 Unternehmen aus DAX 40, MDAX und SDAX analysiert, die am 30. Juni 2022 veröffentlicht waren. Dabei zeigte sich laut Kirchhoff-Mitteilung, dass Vorstände zunehmend in die Pflicht genommen werden, ihre selbst gesetzten Ziele zu erreichen. Mehr als 70 Prozent der DAX-160-Unternehmen integrieren solche KPIs in die Regelungen zur Vorstandsvergütung. Unter den DAX-40-Gesellschaften liegt der Anteil demnach sogar bei 85 Prozent.

„Das Thema ESG verankert sich zunehmend auch auf Vorstandsebene. Durch die Gestaltung der Vorstandsvergütung übernimmt der Aufsichtsrat eine gezielte Steuerungsfunktion – hin zu einer nachhaltigeren Unternehmensführung“, sagt Vincent Giesue Furnari, Managing Partner bei Kirchhoff Consult. Nils Borcherding, Partner Sustainability Services bei BDO, ergänzt: „Die Studienergebnisse zeigen ganz deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur ‚nice to have‘, sondern als ‚must have‘ immer mehr fester Bestandteil der Unternehmensstrategie wird.“ Mit 42 Prozent ordnet fast die Hälfte der Unternehmen den Bereich CSR zudem einem Vorstandsressort zu. Vergleichsweise häufig tauche beispielsweise die Funktion „Chief Sustainability Officer (CSO)“ auf.

Mehr Frauen im Vorstand bei niedrigem Gesamtanteil

Erstmals kann die Studie durch einen Vorjahresvergleich eine Entwicklung zum Stand bei der Gleichstellung in deutschen Führungsetagen ziehen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil im Vorstand stark gestiegen: Laut den Ergebnissen der Analyse sitzt in 53 Prozent der Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstandsgremium. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Allerdings bleibt der Anteil von Frauen in den Vorstandsposten insgesamt niedrig: Nur 14 Prozent aller Vorstandsmitglieder sind weiblich. Die Entwicklung müsse zudem in Zusammenhang mit dem 2022 eingeführten „Zweites Führungspositionen-Gesetz“ (FüPoG II) betrachtet werden. Dieses verpflichtet beispielsweise Vorstände mit mehr als drei Mitgliedern zu mindestens einem weiblichen Mitglied.

Investoren orientieren sich auch am ESG-Rating

Bewertungen des börsennotierten Unternehmens durch ESG-Ratings gewinnen insbesondere für Investoren weiter an Bedeutung. Sie bieten beispielsweise potenziellen Investoren Orientierung zur Bewertung der Nachhaltigkeits-Performance in Unternehmen. Themen wie Umwelt (Environment), Soziales und Gesellschaft (Social) sowie Unternehmensführung (Governance) rücken bei vielen DAX-160-Unternehmen verstärkt ins Blickfeld.

Während mit einem Anteil von 96 Prozent beinahe der gesamte DAX 160 mit einer Bewertung in der Datenbank von Sustainalytics vertreten ist, wird diese Bewertung aber nur in etwa der Hälfte der Berichte (49 Prozent) kommuniziert. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt einen deutlichen Trend: Im Jahr 2021 waren lediglich 69 Prozent der DAX-160-Unternehmen in der Datenbank von Sustainalytics zu finden. Auch die Kommunikation im Bericht lag mit 38 Prozent unter dem diesjährigen Niveau. Obwohl die Datenbank von Sustainalytics am umfangreichsten ist, wird zum Rating MSCI ESG am häufigsten berichtet.

EU-Taxonomie: Mit der Umsetzung hapert es

Für das Geschäftsjahr 2021 war erstmals die EU-Taxonomieverordnung für berichtspflichtige Unternehmen anzuwenden, ein Regelwerk zur Definition von Nachhaltigkeit. Während sich 88 Prozent der Unternehmen, so die Studienergebnisse, bisher mit ihrer Taxonomiefähigkeit auseinandersetzen, haben gerade einmal 4 Prozent zusätzlich freiwillig über die Taxonomiekonformität ihrer Geschäftstätigkeit berichtet. Die zukünftige Umsetzung bleibt daher eine Herausforderung für die meisten Unternehmen, da eine Berichterstattung zur Konformität ab dem nächsten Geschäftsjahr verpflichtend sein wird.

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