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Buchvorstellung

Dieses bescheuerte Herz – über den Mut zu träumen

Der schwerstkranke Daniel Meyer hat zusammen mit dem Erfolgsautor Lars Amend ein Buch geschrieben, das die beiden auf einer kleinen Pressekonferenz in Hamburg vorgestellt haben. Es ist die Geschichte über ihre besondere Freundschaft, über den Mut zu träumen und sich Wünsche zu erfüllen. Jeden Tag zu leben, als wäre es der letzte.

Daniel, ein Teenager mit roten Haaren, Sommersprossen und einem fröhlichem Grinsen im Gesicht hatte am vergangenen Donnerstag einen großen Tag – nicht nur wegen der Pressekonferenz: Er hält seinen ersten Personalausweis in den Händen und zeigt in stolz herum. Vor kurzem ist er sechzehn Jahre alt geworden; nun darf er vieles selbst entscheiden. Und er hat sein frisch erschienenes Buch bereits morgens in der Auslage einer Hamburger Buchhandlung entdeckt. Mit der Fertigstellung des Buches ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen: Das Buch soll ein Abschiedsgeschenk für seine Mutter sein, die ihm sehr nahe steht – eine Erinnerung an ihn, wenn er für immer gehen muss.

Seit seiner Geburt leidet Daniel an einem schweren Herzfehler und wurde vielfach operiert. Seine ersten fünf Lebensjahre musste er im Krankenhaus verbringen. Zudem er hat weitere schwere Erkrankungen, erträgt viele Schmerzen und enorme körperliche Einschränkungen. Jeder Tag ist eine extreme Belastung für Daniel – und für seine Familie, Mutter Debbie und Stiefvater Martin. Daniel ist lebensverkürzend erkrankt. Jeder Tag kann für ihn der letzte sein. Und er weiß darum. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist Daniel ein fröhlicher Teenager, der versucht jeden Tag bewusst zu erleben. Er verbringt so viel Zeit wie möglich mit dem 35-jährigen Lars Amen, der ein „großer Bruder“ für ihn geworden ist. Die beiden haben sich vor gut einem Jahr kennen gelernt. Mit Lars‘ Hilfe hat Daniel seine Gedanken und gemeinsame Erlebnisse in dem Buch „Dieses bescheuerte Herz. Über den Mut zu träumen“ zusammengetragen.

Buchvorstellung im Kinder-Tageshospiz in Hamburg-Eidelstedt

Zwischen Mutter Debbie und seinem „großen Bruder“ Lars Amend sitzend stellt sich Daniel auf der Pressekonferenz den anwesenden Journalisten vor – aufgeregt, fröhlich-kichernd. Der Ort ist gut gewählt, es ist das Theodorus Kinder-Tageshospiz in Hamburg-Eidelstedt. Dort verbringt Daniel seit mehr als einem Jahr nach der Schule seine Nachmittage. Er geht dort hin, weil er ständig unter Aufsicht sein muss. Seine Mutter arbeitet in dieser Zeit.

In Absprache mit Daniel beginnt Lars Amend zu erzählen, wie die außergewöhnliche Geschichte der beiden vor etwa einem Jahr begann. Amend war gerade von einer Reise aus Brasilien zurückgekommen und suchte nach einem tieferen Sinn in seinem – eigentlich schönen – Leben in Berlin. Eine Freundin, Ester Peter, erzählte ihm damals von Daniel. Sie ist die Initiatorin von KinderLeben, dem ersten Tages-Kinderhospiz in Deutschland, das seit wenigen Monaten als Theodorus Kinder-Tageshospiz weitergeführt wird (wir berichteten). Auf Amends Wunsch stellte sie den Kontakt zu Daniel und seiner Familie her.

An einem Samstagabend kurz vor Fußball habe er angerufen, um als ersten Kontakt ein kurzes Gespräch mit Daniels Mutter zu führen. Es wurden fünf Stunden daraus, erzählt Amend. „Ich muss ihn kennen lernen“, war ihm danach klar; eine Woche später fuhr er nach Hamburg, um Daniel im Kinder-Tageshospiz zu treffen. „Daniel sah mich, kam auf mich zu gerannt und hängte sich wie ein Äffchen am mich – ‚endlich bist du da‘, freute sich Daniel“, beschreibt Amend die ersten gemeinsamen Momente. Als er Daniel mit den roten Haaren sah, wie er sie früher auch gehabt habe, sei sein Gedanke gewesen: ‚Der hättest du sein können‘. – „Ja, ich habe auch rote Haare und meine sind schöner als deine“, wirft Daniel neckend in die Erzählung ein.

Er habe damals nicht gewusst, worauf er sich einlasse und sei eine Woche geblieben. Am nächsten Tag habe er Daniel in die Schule begleitet, dann zum Arzt, ins Elbe-Einkaufszentrum. „Wir waren sofort Freunde und haben über alle gesprochen“, erzählt Amend weiter, während Daniel aufmerksam zuhört und die Worte seines „großen Bruders“ bestätigt.

Zurück in Berlin wurde dem Autor Amend schnell klar, dass er nicht das geplante Buch über seine Erlebnisse in Rio de Janeiro schreiben würde. Es gab Wichtigeres. Und es folgten immer mehr Reisen zu reisen nach Hamburg.

Wünsche, die sich Daniel erfüllen möchte

Aus Amends Frage an Daniel „Was willst du machen?“ entstand die Idee, eine Liste zusammenzutragen. Daniel schrieb all die Wünsche auf, die er sich mit Hilfe seines „großen Bruders“ erfüllen wollte: „mal ohne doofe Aufpasser zu sein (Mama, Krankenschwester, Lehrer“, „mich verlieben“ und „einen Liebesbrief schreiben und abschicken“, „ganz viel alkoholfreies Bier trinken und dazu Chips und Gummibärchen essen“, „Mama endlich wieder von Herzen glücklich sehen“ …

… „Ein Zigarette rauchen“

Sie fuhren an eine Tankstelle, Amend kaufte eine Packung Zigaretten, weil Daniel noch keinen Ausweis hatte, erzählt Amend den anwesenden Journalisten. Sie rauchten eine Zigarette. Hinterher sei Daniel ganz schlecht gewesen – warum, das habe er seiner besorgten Mutter, zu der er eine ganz besonders innige Beziehung hat, nicht verraten. Daniel und Lars hatten ein Geheimnis unter Männern.

„Wenn Du nicht fragst, ist die Antwort immer nein“

Einmal seien sie im Hamburger Atlantic-Hotel gewesen und Daniel habe dort einen Barkeeper angesprochen: „Udo Lindenberg wohnt doch hier?“ „Rufen Sie doch mal an, ob er herunter kommt.“ Als der Barmann sagte, er sei nicht im da, erwiderte Daniel: „Aber Sie haben das doch gar nicht probiert“ und weiter „Ich bin ja morgen nicht mehr hier und habe nur heute die Möglichkeit“. „Der Moment zählt, ich weiß nicht, was morgen ist und wenn Du nicht fragst, ist die Antwort immer nein“, fasst Amend Daniels Worte zusammen. 

Ängste und Zukunft seien völlig unbedeutend, Daniel habe ihm gezeigt, das Leben zu genießen. Es reiche, wenn die Sonne scheint, Menschen zu treffen, zu lachen. „Von Abenteuer zu Abenteuer, von schönen Erlebnissen zu traurigen haben wir ein Jahr verbracht“, erzählt Amend weiter. Im Lauf der Zeit wurde auch die Wunschliste unwichtiger. Es reichte Daniel, wenn Lars einfach bei ihm war.

„So ist das Leben von Debbie und Daniel: viel weinen, viel lachen, jeden Morgen riesiges Theater, wenn Daniel die Frage stellt ‚Muss ich jetzt meine Scheißtabletten nehmen?‘. Ich habe großen Respekt vor Debbie, Daniel und der tollen Arbeit, die Ester und das ganze Team des Tages-Kinderhospizes machen“, schließt Amend.

Ein großer Dank an den Verein KinderLeben e.V.

Daniel und Lars haben für die Pressekonferenz eine besondere Überraschung vorbereitet. Sie möchten danke sagen für Daniels liebevolle Betreuung im Kinder-Tageshospiz. Sie wissen, welch großer Aufwand es sei, ein Hospiz zu betreiben. Deswegen möchten sie etwas zurückgeben, sagen beide, und überreichen Ester Peter für den Hamburger Förderverein KinderLeben e.V. einen Spendenscheck über 25.000 Euro.

Das Buch

Daniel Meyer mit Lars Amend, „Dieses bescheuerte Herz.
über den Mut zu träumen“, 352 Seiten, gebunden, Krüger Verlag, 18,99 Euro, ISBN: 978-3-8105-1332-8. Es ist erhältlich beispielsweise bei Amazon und Thalia.

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(Tanja Königshagen)


 


 

Daniel Meyer
Lars Amend
Dieses bescheuerte Herz
Theodorus Kinder-Tageshospiz
Förderverein KinderLeben e.V.

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