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Umfrage: Hamburger befürworten mehrheitlich den Atomausstieg

Etwa die Hälfte der Befragten würde für schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien etwas bezahlen.

Vor zehn Jahren erschütterten die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima und ihre Folgen die Welt. Die Bundesrepublik Deutschland entschied daraufhin noch im gleichen Jahr den Ausstieg aus der Kernkraft, der letztlich auch einen Verzicht auf die Kernenergie zur Stromerzeugung bedeutet. Stattdessen rückten die erneuerbaren Energien, also zum Beispiel Windkraft und Solarenergie, in den Fokus.

Anlässlich des 10. Jahrestages der Katastrophe am 11. März 2021 holte der städtische Energieversorger Hamburg Energie ein repräsentatives Meinungsbild von Menschen in Hamburg ein, wie sie heute zu Atomkraft, dem Ausstieg aus der Kernenergie und der Energiewende stehen. An der Online-Umfrage vom 12. bis 21. Februar 2021 nahmen laut Unternehmensmitteilung 504 Erwachsene aus Hamburger Privathaushalten teil. Die Stichprobe ist den Angaben zufolge bevölkerungsrepräsentativ für 18- bis 69-Jährige in Hamburg.

Wie aus den Umfrageergebnissen hervorgeht, wird die Entscheidung, aus der Atomenergie auszusteigen, heute wie damals von der überwiegenden Mehrheit als richtige Entscheidung beurteilt. Besonders hohe Zustimmung erfährt die damalige Entscheidung demnach mit 87 Prozent bei den 30- bis 39-Jährigen. Mit 75 Prozent erreicht die Zustimmung bei den 60- bis 69-Jährigen den vergleichsweise geringsten Wert.

Mehrheit für einen früheren Ausstieg

Etwa zwei von drei Hamburgern hätten sich laut Mitteilung sogar einen früheren Ausstieg aus der Atomenergie gewünscht. Diese Einstellung ist bei den 18- bis 29-Jährigen mit 68 Prozent am stärksten ausgeprägt und bei den 60- bis 69-Jährigen mit 58 Prozent vergleichsweise am geringsten.

Befragt nach den Gründen, warum sie den Atomausstieg heute richtig finden, heben drei Viertel der Ausstiegsbefürworter den Aspekt der Sicherheit hervor, denn laut Angaben halten sie Kernenergie „für gefährlich, umwelt- und gesundheitsschädlich”. Zudem findet ein Fünftel, dass es ausreichend Alternativen zu Atomenergie gebe. Das sehen die Kritiker des Atomausstiegs, zu denen 15 Prozent der Befragten gehören, anders. 35 Prozent von ihnen geben den „Mangel an Alternativen” als Hauptgrund für ihre Einstellung an.

Der Ausstieg aus der Kernenergie bedeutet den Einstieg in alternative Energien. So finden acht von zehn befragten Hamburgern den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland wichtig bis sehr wichtig. Mit zunehmendem Alter stimmen die Befragten dem Ausbau der Erneuerbaren stärker zu. Mehr als 90 Prozent der 60- bis 69-Jährigen findet diesen Punkt sehr wichtig bis wichtig, während es bei den 18- bis 29-Jährigen nur etwa 70 Prozent so sehen.

Für mehr als die Hälfte der Befragten könnte es schneller gehen

Befragt nach dem Tempo des Erneuerbaren-Ausbaus geht es 60 Prozent der Befragten zu langsam. Etwa ein Fünftel beurteilt das Ausbautempo als genau richtig und nur für etwa 10 Prozent ist es zu schnell oder überhaupt nicht wichtig. Auch bei dieser Frage gehen die Meinungen im Altersverlauf auseinander. Während für die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen das Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien zu langsam vorangeht, prägt sich diese Einschätzung in den höheren Altersgruppen stärker aus. So finden schon fast drei Viertel der 60- bis 69-Jährigen das Ausbautempo als zu langsam.

„Interessant ist, dass insbesondere den älteren Befragten der Ausbau nicht schnell genug geht, sie aber weniger als die Jüngeren bereit sind, eine Art Ausbaubeitrag von beispielsweise drei Euro im Monat dafür zu zahlen“, bemerkt Michael Prinz, Geschäftsführer von Hamburg Energie. Insgesamt wären 50 Prozent der Befragten bereit, sogar etwas mehr für Ökostrom zu bezahlen, sofern sie damit den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben können.

Fukushima veränderte Einstellungen zur Kernenergie

Die Nuklearkatastrophe in Fukushima und ihre Folgen haben laut Umfrageergebnisse nicht nur Betroffenheit ausgelöst, sondern hatte auch großen Einfluss auf die Einstellung der Bevölkerung zur Kernenergie. In Hamburg steht seitdem jeder Dritte der Atomkraft kritischer gegenüber, jeder Zweite wurde in seiner bereits zuvor bestehenden negativen Haltung bestätigt, heißt es bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Den stärksten negativen Effekt hatte Fukushima demnach auf die Einstellung von 18- bis 29-Jährigen, die zu etwa 40 Prozent angeben, dass sich ihre Einstellung negativ verändert hat. Am wenigsten Änderung gab es mit 28 Prozent bei den 40- bis 59-Jährigen, denn mehr als die Hälfte von ihnen gibt an, dass sich ihre negative Einstellung gegenüber der Atomkraft bestätigt hat. Inwiefern diese Altersgruppe bereits durch den Reaktorunfall in Tschernobyl vor mittlerweile 35 Jahren kritisch geprägt wurde, konnte in dieser Umfrage nicht untersucht werden.

„Die Ereignisse in Fukushima haben aber auch viele Menschen zum Handeln gebracht“, erläutert Michael Prinz. Im Gegensatz zu den Achtzigern mit der Katastrophe in Tschernobyl gebe es mittlerweile ökologische Alternativen zur Kernenergie. „2011 konnten wir einen enormen Anstieg der Kundenzahlen gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Die Zahl hat sich damals fast verdreifacht.“

Ängste bleiben, Uneinigkeit bei der Kostenfrage

Trotz des Ausstiegs Deutschlands aus der Kernkraft bleibt Besorgnis bei den Menschen bestehen. Die Gefahr, dass sich eine Nuklearkatastrophe wie in Fukushima wiederholen könnte, sehen Hamburger aber eher außerhalb Deutschlands.

Des Weiteren bereitet den Befragten aktuell die ungeklärte Frage der Atommüllendlagerung am meisten Sorge. Das sehen 72 Prozent so. 64 Prozent gaben an, sie befürchten am meisten Gefahren für die Umwelt. 65 Prozent sorgen sich am meisten um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch radioaktive Strahlenbelastung.

Mit zunehmendem Alter steigt die Besorgnis bezüglich der ungeklärten Frage der Atommüllendlagerung. Während etwa zwei Drittel der 60- bis 69-Jährigen angeben, sehr besorgt über die ungeklärte Frage der Atommüllendlagerung zu sein, geben dies bei den 18- bis 30-Jährigen lediglich knapp 30 Prozent an.

Bei der Frage, wer die Kosten des Atomausstiegs und der Endlagerung des radioaktiven Abfalls tragen soll, sind sich die Menschen in Hamburg uneinig. Während etwa vier von zehn Befragten die Betreiber der Atomkraftwerke in der Pflicht sehen, befürworten ähnlich viele eine Kostenteilung zwischen den Betreibern und Staat. Am wenigsten Zustimmung erfährt mit 17 Prozent die Option, dass der Staat alles aus Steuermitteln bezahlt.

Bildquellen

  • energieversorgung_in_schleswig_holstein_c_favorit_media_relations_gmbh: Favorit-Media-Relations GmbH
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