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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Über Rebecca und andere Vermisste

Wo ist Rebecca? Diese Frage beschäftigt seit Wochen ganz Deutschland. Nicht zuletzt hat die Bild-Zeitung dazu beigetragen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Boulevard-Blatt nicht über den Stand der Ermittlungen der Polizei berichtet. Unser Kolumnist, Peter Jamin, seit Jahrzehnten Vermisst-Experte, ordnet die Informationen ein wenig.

Die Polizei in Berlin, wo die 15-jährige Rebecca Reusch mit ihrer Familie gelebt hat, arbeitet unter größtem Druck. Die Erwartungen der anteilnehmenden Bevölkerung ist groß. Und - wie in den sozialen Medien üblich - sind die hämischen Kommentare zahlreich.

Was auch immer die Polizei unternimmt - sie kann es nicht allen recht machen.

Schwager unter Verdacht

Für die Polizei hat sich der Schwager der Vermissten verdächtig gemacht. Durch u.a. offensichtlich falsche Aussagen. Die Polizei hat also den Mann verhaftet und verhört ihn. Dazu kann ein Außenstehender nicht mehr sagen, denn die Details kennen nur die zuständigen Polizeibeamten.

Die Polizei ist zwar sicher, dass Rebecca einer Gewalttat zum Opfer gefallen ist. Doch es kann auch sein, dass das nicht zutrifft. Schon öfter liefen bei Ermittlungen in Vermisstenfällen die Recherchen in die falsche Richtung. Man muss abwarten. Und das ist besonders für die Angehörigen eine unerträgliche Situation.

Gründe fürs Verschwinden

Wenn es um das Verschwinden von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen geht, haben wir es mit dem gesamten Spektrum der sozialen Probleme und des menschlichen Leids in unserer Gesellschaft zu tun.

Die Palette der Gründe, die den Menschen dahin bringen zu verschwinden, reicht von den Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen bis zu Schwierigkeiten in Schule, Studium und Beruf.

Abenteuerlust selten

Liebeskummer, finanzielle Sorgen, Enttäuschungen in einer Freundschaft, Leistungsdruck, Perspektivlosigkeit im Beruf, Drogen, Mobbing am Arbeitsplatz, Prüfungsangst, ein gewalttätiger Ehepartner, drohende Scheidung, Schulden, Krankheiten wie Depressionen, Demenz oder Alkoholismus.

Nur Fälle von Abenteuerlust oder Freiheitsdrang sind selten. Nicht so häufig, wenngleich auch noch viel zu oft, sind Gewalttaten, die zum Verschwinden von Menschen führen. Sie machen etwa ein Prozent aller Vermisstenfälle, also etwa 1.000 pro Jahr, aus.

Angehörige meist ratlos

Die meisten Vermissten lassen Angehörige und Polizei mit einem großen Rätsel zurück. Nur wenige Vermisste hinterlassen einen Abschiedsbrief. Auch Rebecca hat keine Zeile vor ihrem Verschwinden geschrieben. Die Menschen sind von einer Stunde zur anderen verschwunden Die Zurückgebliebenen fragen sich: warum? – Und finden nur selten eine Antwort.

Auch für das Verschwinden von Rebecca weiß noch niemand eine Begründung. Die 15-jährige ist eine von 100.000 Vermissten, die jährlich bei der Polizei in Deutschland registriert werden. Die meisten diese vielen Verschwundenen kommen glücklicherweise wieder zurück. Hoffentlich auch bald Rebecca!

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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