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Lesegeschwindigkeit

Speed Reading

Im Schnitt verdoppelt sich das Volumen der Informationen, die uns Menschen zur Verfügung stehen, alle zehn Jahre. Ob Bürokraft, Anwalt, Ingenieur oder Professor - alle müssen sie beruflich immer mehr lesen. Doch oft fehlt die Zeit dafür und regelmäßig steigt Panik auf, wenn das E-Mail-Postfach überquillt oder der Dokumentenberg sich auf dem Tisch stapelt.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Anfänge des Speed-Readings - 80 Seiten in drei Minuten
  2. Was schnelles Lesen behindert
  3. Regression mit dem Stift bekämpfen
  4. Fixation durch Erweiterung der Blickspannweite reduzieren
  5. Lieber nicht im Kopf mitlesen
  6. Der Nutzen von Speed-Reading
  7. Tipps um Schnell-Leser zu werden:
  8. Übung zum Speed-Reading

Die Rettung? So schnell lesen zu können, wie man denkt. Für das Lesen und Verstehen von Texten brauchen viele aber deutlich länger. Meist schaffen sie nur 200 bis 250 Wörter pro Minute. Geradezu unglaublich erscheint da die Rekordhalterin im Schnelllesen: Anne Jones schafft 4700 WpM (Wörter pro Minute). Ein proppenvolles E-Mail-Postfach oder ein dickes Dossier bis morgen sind für sie kein Problem. Sie kann das, weil sie Speed-Reading beherrscht, die Kunst des Schnell-Lesens. Jeder, der regelmäßig mit dem Lesen von Texten in Zeitnot gerät, sollte sich einmal mit dem Speed-Reading beschäftigen und davon profitieren. Langsamer ist nämlich noch keiner geworden und die Ergebnisse sind schon nach kurzer Zeit äußerst verblüffend.

Wie Speed-Reading funktioniert, wie nützlich es ist, und wie einfach es ist Speed-Reading zu erlernen, erfahren Sie hier.

Die Anfänge des Speed-Readings - 80 Seiten in drei Minuten

Einst gab die Lehramtsstudentin Evelyn Wood ihrem Professor am Ende einer Vorlesung ihre Arbeit ab – ein 80 Seiten starkes Werk. Zu ihrer Überraschung nahm der Professor den Stapel aber nicht mit nach Hause, um ihn in den nächsten Tagen zu lesen. Er begann direkt vor ihren Augen zu lesen. Und war innerhalb von drei Minuten fertig! Ein durchschnittlicher Leser hätte für diesen Text mindestens 3 Stunden gebraucht. Nicht so der Professor.

Wie war das möglich? Die verblüffte Studentin ließ diese Frage nicht mehr los. Sie begann sich mit der Erforschung des Lesens zu beschäftigen und erfand bald darauf den Begriff „Speed Reading“ (Schnell-Lesen). Ihr Professor war von Natur aus ein Speed Reader, also eine Person, die ohne Training außergewöhnlich schnell lesen kann. Aber es musste doch auch für andere Menschen möglich sein, diese Lesegeschwindigkeit zu erreichen! Evelyn Wood studierte die Lesegewohnheiten vieler Menschen, u. a. die von US-Präsident John F. Kennedy, der ein begeisterter und schneller Leser war. Und schließlich fand sie tatsächlich Methoden, mit denen man die Lesegeschwindigkeit außerordentlich steigern kann. Sie las bald selbst mit 6000 Wörtern pro Minute und entwickelte mit den Evelyn Wood Reading Dynamics ein Programm, um das Speed-Reading auch anderen Menschen beizubringen.

In den 50er Jahren begann sie damit Kurse zum Speed-Reading zu anzubieten und bald gaben alle Universitäten der USA Speed-Reading-Seminare. Bis heute bauen Speed-Reading-Seminare weltweit auf Evelyn Woods Methoden auf.

Was schnelles Lesen behindert

Was Evelyn Wood herausgefunden hatte: Man liest schneller, wenn man nicht jedes Wort einzeln liest, sondern stattdessen ganze Wortgruppen erfasst. Auch springen viele Menschen beim Lesen oft zurück und lesen einzelne Wörter noch einmal. Oder sie konzentrieren sich zu lange auf ein Wort, dass sie eigentlich schon erfasst haben. Auch das innerliche Mitlesen ist ein Hemmnis. Man spricht hier von drei Phänomenen:

  • Regression
  • Fixation
  • Vokalisierung

Beim Speed-Reading gilt es, alle drei zu bekämpfen und dadurch schneller zu lesen.

Regression mit dem Stift bekämpfen

Die Regression taucht häufig bei eher schwierigen oder unbekannten Wörtern auf. Über ein Wort wie „Hybridisierung“ stolpern Leser eben eher, als über das bekannte Wort „Straße“. Kann solch ein kompliziertes Wort nicht sofort erfasst werden, springt das Auge zurück und wir lesen es noch einmal. Im Schnitt passiert das in jeder Zeile ein bis zwei Mal. Das mag nach wenig klingen, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Auf ein durchschnittliches Buch verteilt, kostet die Regression uns so anderthalb Stunden Zeit.

Dagegen hilft nur eines: Man muss sich zwingen, nicht zurückzuspringen. Oft wird nämlich nicht nur bei unbekannten Wörtern ein Sprung zurückgemacht, sondern auch bei solchen, die man eigentlich schon kennt. Dabei ist das Wort eigentlich längst erfasst, man springt nur zurück, um sich zu vergewissern, dass man richtig gelesen hat. Es handelt sich dabei einfach um eine schlechte Angewohnheit, aus der Zeit als man das Lesen noch lernte. Die Abhilfe? Ein Stift. Man führt ihn beim Lesen unter der Zeile mit, ohne anzuhalten und zwingt sich dadurch das Zurückspringen zu unterlassen. Den Text versteht man trotzdem, denn das Gehirn ersetzt selbst Wörter, die man nicht erfasst hat, automatisch. Das beweist schon ___ Satz wie dieser!

Fixation durch Erweiterung der Blickspannweite reduzieren

Kleine Kinder lesen noch jeden Buchstaben einzeln, Erwachsene dagegen erfassen das Wort im Ganzen. Sie benötigen pro Wort nur ein oder zwei sogenannte Fixationen (Blickstopps). Dass das stimmt, sieht man an diesem Satz:

Zum Efrsasen enies Wroets msüsen nur der esrte und ltetze Bctuhsbae an der rgihticen Stetle shteen.

Oder warum konnten sie das Lesen, obwohl keines der Wörter richtig geschrieben ist? Schnell-Leser gehen noch einen Schritt weiter. Sie lesen nicht Wort für Wort, sondern nehmen mit nur wenigen Blickstopps ganze Abschnitte oder gar Sätze wahr. Dadurch erhöht sich die Lesegeschwindigkeit deutlich. Ein Kernpunkt des Speed-Readings ist es deswegen, die Anzahl der Fixationen beim Lesen so gering wie möglich zu halten.

Lieber nicht im Kopf mitlesen

In der Antike war es üblich jeden Text laut zu lesen, egal ob man jemandem vorlas oder das Buch nur für sich selbst lesen wollte. Leise zu lesen betrachteten die alten Römer sogar als eine äußerst seltsame Angewohnheit. Heute lesen zwar nur noch Kinder laut, die das Lesen erst erlernen. Doch ältere Kinder und Erwachsene, die leise lesen, „hören“ ihre Stimme noch im Kopf. Man nennt das Vokalisierung.

Aber auch das sollte man abstellen, wenn man wirklich schnell lesen möchte. Denn Auge und Hirn können einen Text viel schneller erfassen, als unser Stimmapparat ihn ausformulieren kann. Wer im Kopf also „mitspricht“, verringert so automatisch seine Lesegeschwindigkeit – und zwar drastisch. Die Vorlesegeschwindigkeit liegt selbst bei ungeübten Lesern noch unter der normalen Lesegeschwindigkeit. Die alten Römer werden zum Lesen also ziemlich lange gebraucht haben. Ein wichtiges Element des Speed-Readings ist es daher die Vokalisierung zu überwinden. Als Hilfe gilt hier zum Beispiel beim Lesen zu brummen, denn das verhindert das gleichzeitige Vokalisieren. Weitere Techniken werden in Speed-Reading-Seminaren vermittelt.

Der Nutzen von Speed-Reading

Es liegt auf der Hand, dass Speed-Reading ungemein nützlich ist, weil es sehr viel Zeit spart. Statt sich stundenlang mit dem Lesen von E-Mails oder Firmeninterna zu beschäftigen, können Mitarbeiter zum Beispiel alles in kürzester Zeit erfassen und sich dann wichtigeren Aufgaben widmen. Zu Evelyn Woods Zeiten erkannte man das auch im Weißen Haus. Gleich mehrere Präsidenten und Führungsstäbe nahmen an Speed-Reading-Kursen teil, um die täglichen Textberge schneller bewältigen zu können. In Unternehmen spart man am Ende auch Geld, wenn die Mitarbeiter des Speed-Readings mächtig sind, denn Projekte können so schneller erledigt werden. Für die einzelne Person hat Speed-Reading aber auch Vorteile. Wer schnell liest, statt normal zu lesen:

  • kann sich vom Gelesenen mehr merken
  • schläft beim Lesen nicht ein
  • steigert seine Effektivität

Die meisten Menschen können durch Training des Schnelllesens eine Verdoppelung oder Verdreifachung ihrer Lesegeschwindigkeit erreichen. Und auch, wenn sie einen Roman wie „Im Winde verweht“ dann nicht innerhalb von 30 Minuten lesen, so wie manche Speed-Reading-Champions, spart das unheimlich viel Zeit. Gerade im Beruf und auch im Studium ist Speed-Reading deshalb ein nicht zu unterschätzendes Können. Für manchen Berufstätigen könnte es sich in Zukunft sogar als unverzichtbar erweisen!

Tipps um Schnell-Leser zu werden:

  • Vokalisieren abgewöhnen und nur noch die sinntragenden Wörter im Kopf mitlesen
  • Regression vermeiden und sich zwingen, nicht zu bereits gelesenen Textteilen zurückzuspringen.
  • Blickspanne erweitern und versuchen möglichst mehrere Wörter auf einmal zu erfassen, ohne sie einzeln zu lesen
  • Lernen, Texte wie Bilder aufzunehmen
  • Üben, Üben, Üben

Es mag trivial klingen, doch auch gutes Licht und eine bequeme Sitzhaltung helfen beim schnelleren Lesen. Experten des Speed-Reading raten, auch darauf zu achten, um die eigene Leseeffizienz zu erhöhen.

Übung zum Speed-Reading

Da Übung, den Meister auch beim Speed-Reading macht, gibt es so einige davon. Eine Übung um die Blickspannweite zu steigern, kann man mithilfe der Wortpyramide absolvieren. Man nimmt sich ein Stück Papier und deckt so schnell man kann die erste Zeile auf und wieder zu. Das macht man absteigend so lange weiter, bis man ein Wort nicht mehr richtig wahrgenommen hat. Dort liegt die Grenze der persönlichen Blickspanne.

Ei
Ruf
Papa
Höhle
Freude
Gattung
Register
Gutenberg
Hängematte
Halterungen
Bohnenkaffee
Vorwärtsgehen
Garageneinfahrt
Gelegenheitsdieb
Halteverbotszonen
Weinflaschenregale
Autobahnraststätten
Branchenverzeichnisse

Hat man einmal die Grenze der Blickspanne gefunden, kann man mit gleich langen oder längeren Wörtern trainieren. Viel andere Übungen helfen auch die Faktoren Regression, Fixation und Vokalisierung zu überwinden. Mit Geduld und dem richtigen Training kann so jeder zum Schnell-Leser werden und in Zukunft viel Zeit einsparen!

Weiterführende Infos auch auf unserer Infoseite www.speedreading-lernen.com

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(Christian Weis)


 


 

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