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Kolumnen & Glossen

Kolumne „Kann passieren …“ – Gesprächsfetzen

Wie die Stammleserinnen und -leser dieser Kolumne wissen, holt sich unser Autor Andreas Ballnus häufig die Ideen für seine Texte aus dem Alltag. Einige dieser Erlebnisse müssen gar nicht weiter ausgeführt oder bearbeitet werden, da sie für sich alleine schon als unterhaltsame Episode dastehen. Manchmal sind es nur kurze Wortwechsel, die er aufgeschnappt oder selber geführt hat. Einige Beispiele davon für Sie in „Gesprächsfetzen“.

Hafenrundfahrt-Barkassen an den St.-Pauli-Landungsbrücken

Viagra

April 2002, eine Bushaltestelle am Bahnhof Aumühlen bei Hamburg. Ein junges Pärchen nähert sich.
Er:  „… aber es soll so was geben, die ‚Pille für den Mann‘.“
Sie:  „Ja, habe ich auch gehört, dass es so was geben soll.“
Er:  „Viagra!“
Sie:  „Ich glaube, das ist etwas anderes.“
Er:  „Ja, genau das Gegenteil.“
Sie:  „Naja, muss auch mal sein, oder?“

Auto, Auto

Im Bus auf dem Ring 2, kurz vor der Haltestelle Straßburger Straße:
Ein Junge, etwa 3 Jahre alt, plappert immer vor sich her: „ Auto! Auto! Auto!“, und zeigt dabei aus dem Fenster.
Der junge Vater, auf dessen Schoß der Junge sitzt, zu einer älteren Dame: „Der sagt immer nur ‚Auto, Auto‘, statt ‚Mercedes Benz, Baujahr 86‘.“

Am Schnellimbiss

„Sie sollen hier Büffelwurst haben“, so der Gast im Schnellimbiss.
Der Verkäufer hält eine Wurst hoch. „Meine Sie diese hier?“
Keine Ahnung. Steht das da irgendwo drauf?“

Hafenrundfahrt

Ich habe Besuch aus Süddeutschland. Mir macht es Spaß, Besucher durch Hamburg zu führen. Heute ist das Standartprogramm an der Reihe: Rathaus, Alster, Michel und Hafen.
Am Ende des Tages schlendern wir noch etwas an den Landungsbrücken entlang. Lautstark preist dort ein junger Mann die Hafenrundfahrt an.
„Haben wir schon gemacht“, sage ich im Vorübergehen.
„Unsere ist für Fortgeschrittene“, kontert der andere.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Bei meiner Arbeit habe ich häufiger auch mal mit Menschen zu tun, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
Eine Anruferin, die sich darüber informieren möchte, ob und wie mein Amt ihr helfen kann, sagt zu Beginn des Gespräches entschuldigend, dass sie nur gebrochen Deutsch spräche.
„In Suaheli wäre es für mich einfacher…“, fügt sie dann noch hinzu.

Ein Lichtblick

Ich teile einer Klientin mit, dass wir ihren Wohnungsverlust wegen Mietschulden sehr wahrscheinlich verhindern können. Der Vermieter ist damit einverstanden, dass sie in ihrer Wohnung wohnen bleiben kann, wenn alle Mietrückstände ausgeglichen werden.
Das Amt, in dem ich arbeite, kann diese Forderung als zinsloses Darlehen übernehmen. Dazu muss aber noch einiges geregelt und geklärt werden. Aber, so weiß ich aus meiner Erfahrung, stehen die Chancen insgesamt sehr gut dafür, dass die Räumung der Frau aus ihrer Wohnung verhindert werden kann.
Das alles erkläre ich meiner Klientin, eine agile und noch sehr rüstige Rentnerin. Sie freut sich natürlich riesig. Ich habe allerdings den Eindruck, dass sie die Informationen, über fehlende Unterlagen sowie die Sachen, die sie vorab noch klären und erledigen muss, in ihrer Euphorie nicht mehr richtig aufgenommen hat. Also wiederhole ich diesen Teil noch einmal.
„Die Kuh ist also noch nicht vom Eis“, sage ich abschließend.
„Aber sie hat schon Schlittschuhe an!“, erwidert die Frau immer noch freudestrahlend.

Lebensgefahr

Und noch eine Geschichte aus meinem Arbeitsalltag:
Ich telefoniere mit der Mitarbeiterin einer Wohnungsbaugesellschaft bezüglich des Ausgleichs von Mietschulden.
Ich: „Die Überweisung kann sich noch etwas hinziehen. Das übernimmt ein anderes Amt. Wir weisen zwar die Kollegen zur Zahlung an, haben dann aber keinen Einfluss darauf, wie schnell die das letztendlich abarbeiten. Wenn wir Pech haben, kann das noch ein paar Wochen dauern.“
Sie: „Können Sie nicht einen Teilbetrag überweisen? Mein Vorstand lyncht mich sonst.“
Ich: „Das täte mir sehr leid, aber es geht wirklich nicht.“
Sie: „Ich bin aber noch zu jung, um zu sterben!“
Ich: „Das glaube ich Ihnen jetzt mal einfach so.“
Sie: „Gott sei Dank haben wir noch kein Bildtelefon …“

 

–Andreas Ballnus —

_________________________

ZUM AUTOR

Andreas Ballnus
Jahrgang ’63, Liedermacher und Autor.  Unter dem Nick „anbas“ hat er in dem Literaturforum „Leselupe.de“ eine Vielzahl seiner Texte veröffentlicht. Er lebt in Hamburg und verdient sein Geld als Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst. Weitere Informationen: andreasballnus.de.tl

 

 

Bildquellen

  • Andreas Ballnus: Sebastian Lindau
  • Hafenrundfahrt-Barkassen an den St.-Pauli-Landungsbrücken: Favorit-Media-Relations GmbH
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Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

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