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Interviews

Marcus Troeder: Moderator & Impulsgeber im Interesse des Wirtschaftsstandortes Hamburg

Als Leiter der Abteilung Tourismus und Sportwirtschaft bei der Handelskammer Hamburg ist Marcus Troeder tief in der Wirtschaft der Hansestadt verwurzelt. In der Interview-Reihe „Hamburger Businessköpfe“sprach der 42-Jährige über seine vielfältigen Aufgaben und verriet, an welchen Ort es ihn als leidenschaftlichen Hamburger immer wieder zieht.

business-on.de: Hamburg wird häufig als die schönste Stadt der Welt bezeichnet. Sehen Sie das auch so?

Marcus Troeder: Klar. Hamburg ist meine Heimatstadt und es gibt eine Menge schöne Städte. Ich mag Dublin, Galway und Edinburgh, Stockholm und Kopenhagen. Aber nichts beschreibt das Gefühl, mit dem Zug über die Elbbrücken auf die Stadt zuzufahren, am Flughafen zum Baggage Claim zu gehen oder über die Autobahn nach Hamburg einzufahren.

business-on.de: Was machen Sie beruflich genau?

Marcus Troeder: Unsere Arbeit wird im IHK-Gesetz definiert: Wir setzen uns unter anderem für das Gesamtinteresse der Hamburger Wirtschaft ein. Dabei berücksichtigen wir die Interessen der einzelnen Branchen ausgleichend und abwägend. Wir helfen die Rahmenbedingungen für die gewerbliche Wirtschaft durch die Beratung von Verwaltung und Politik am Standort so zu optimieren, dass die Wirtschaft wachsen kann. Aus diesem Bereich – also der Gesamtinteressenvertretung – komme ich und bin Branchenbetreuer für die Tourismuswirtschaft, die Unternehmen aus dem Personenverkehr (nicht ÖPNV) und der Sportwirtschaft.

business-on.de: Was bedeutet dies für Ihr Tagesgeschäft?

Marcus Troeder: Das bedeutet, ich treffe Taxiunternehmer, Gästeführer, Hoteliers und Gastronomen und viele andere in diesem Segment, ermittle drängende Probleme oder Herausforderungen, die die Unternehmen aus einer Branche oder Sub-Branche umtreiben, und suche gemeinsam mit ihnen Lösungen. Entweder durch Vernetzung der Unternehmen untereinander, durch Moderationen oder durch die Diskussion dieser Themen mit Verbänden oder Behörden.

business-on.de: Können Sie uns Beispiele nennen, um welche Themen es dabei geht?

Marcus Troeder: Ein solches Beispiel ist die Einführung eines Hygienesiegels für Lebensmittel verarbeitende Unternehmen. Nachdem das Thema Hygiene-Kennzeichnung jahrelang als verpflichtendes Modell von verschiedenen Seiten bearbeitet worden ist, ist es nun auch durch unser (Mit-)Wirken auf ein freiwilliges Siegel hinausgelaufen. Und es hat nicht, wie in anderen Bundesländern, ein verpflichtendes Hygieneampel-System gegeben. Das ist gut, weil es für die Unternehmen unnötige Bürokratie vermeidet. Und es ist gut für den gesamten Standort. In anderen Bundesländern werden derartige Systeme nämlich mittlerweile mit juristischen Schritten angegriffen. Davon hat keiner was – auch nicht der Verbraucher, der ja geschützt werden soll.

Oder wir werden zum Beispiel aufgefordert, uns mit Blick auf die Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Hamburg zu einem neuen Taxitarif zu äußern oder zu den Auswirkungen einer Änderung des Personenbeförderungsgesetzes.

Diese beiden Beispiele sind schwerer fassbar – sie sind sehr politisch und dauern häufig etwas länger.

Es kann aber auch gut einmal sein, dass wir zwischen den Interessen eines Sportveranstalters und denjenigen des City-Einzelhandels vermitteln müssen. Weil der eine sich eine bestimmte Strecke für sein Event und seine Zuschauer vorstellt, während sich der andere, berechtigt, um seine Erreichbarkeit sorgt und dadurch bedingt um seine Umsätze fürchtet.

Oder wir erarbeiten mit einem Zusammenschluss von Gewerbetreibenden, wie man die Aufenthaltsqualität in deren Quartier so erhöhen kann, dass es auch für Gäste unserer Stadt oder Hamburger aus anderen Bezirken zu einem attraktiven Anlaufpunkt wird.

Die beiden letzten Beispiele sind wahrscheinlich etwas leichter fassbar und unmittelbarer in ihrer Wirkung. Manchmal hat man schon nach ein paar Stunden einen Lösungsansatz oder ein Ergebnis.

business-on.de: Was ist für Sie die spannendste unter den vielen Aufgaben?

Marcus Troeder: Alles zusammengenommen macht meine Tätigkeit so spannend. Weil die Branchen, die ich mit meinem Team betreue, so vielfältig sind, lerne ich nahezu jeden Tag neue Leute, Themen, Perspektiven, Ideen und Ansätze kennen. Ich höre also viel und nehme im Interesse am Wirtschaftsstandort Hamburg Impulse auf, gebe sie weiter oder kann sie selbst setzen. Und das häufig auch im Zusammenspiel mit Kollegen aus anderen Fachabteilungen hier im Haus. Oder auch den Branchenverbänden. Je nach Thema.

business-on.de: Wie wichtig ist für Sie berufliches Netzwerken? Wie nutzen Sie es? In welchen Clubs sind Sie?

Marcus Troeder: Berufliches Netzwerken ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit – nur durch einen engen Kontakt zu unseren Mitgliedsunternehmen können wir Trends und Herausforderungen aufnehmen, auf aktuellem Stand sein oder auch sehen, wo wir uns gerade einbringen müssen. Kurz gesagt: Interessenvertretung funktioniert nicht ohne Netzwerkarbeit.

Das heißt: Ich muss raus, weg von meinem Schreibtisch. Hinein in die Lebenswirklichkeit „meiner“ Branchen. Für mich wichtig sind der TVH Tourismusverband Hamburg und der SKAL Club aus der Tourismuswirtschaft. Dort bin ich Mitglied und arbeite im Vorstand des TVH aktiv mit. Engen Austausch habe ich mit dem Hamburger Landesverband des DEHOGA, Deutscher Hotel- und Gaststättenverband. Aber ich bin auch regelmäßig bei Gästeführer-Stammtischen oder anderen Branchentreffen. Dies allerdings häufig nicht in meiner Arbeitszeit.

business-on.de: Machen Sie selbst auch Sport und wie bringen Sie Ihr Sportprogramm mit Ihrem Beruf unter einen Hut?

Marcus Troeder: Das gelingt eher mäßig. Jedenfalls das „tägliche Fitnesstraining“ zu Hause – das klappt nicht immer so recht diszipliniert. Meinen eigentlichen Sport kann ich flexibel ausüben, weil „meine“ Sportanlage in der Woche bis 21 Uhr offen hat. Aber immerhin: Mein Büro ist im dritten Stock und ich laufe die Treppen.

business-on.de: Welcher ist Ihr Lieblingsort in Hamburg und warum?

Marcus Troeder: Es gibt ein paar davon, aber es zieht mich immer wieder an die Hafenkante – vom Zollkanal über die Landungsbrücken über die Elbmeile bis Övelgönne. Ich habe ein Faible fürs Maritime.

business-on.de: Bitte beenden Sie diesen Satz „Wenn ich nicht in Hamburg wäre, dann wäre ich in …“

Marcus Troeder: Nee… 🙂

business-on.de: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welche Hamburger Persönlichkeit würden Sie gern kennenlernen?

Marcus Troeder: Bedingt durch meinen Beruf treffe ich viele interessante Menschen und jeder Einzelne von denen hat etwas zu erzählen. Hier einen einzigen auszuwählen – würde das die anderen nicht irgendwie zurücksetzen?

business-on.de: Sehr diplomatisch, Herr Troeder! Vielen Dank für das Interview!

 

— Das Interview führte Brigitte Muschiol —

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HAMBURGER BUSINESSKÖPFE

In dieser Interview-Reihe sprechen Hamburger UnternehmerInnen und EntscheiderInnen darüber, was sie mit der Hansestadt verbindet und wie sie ihr berufliches Umfeld erleben.

 

 

Bildquellen

  • marcus_troeder: Jörg Lohse
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