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Ist ein Handelskrieg zu erwarten? – Trump sorgt für schlechte Stimmung an der Börse

Die Weltbörsen geben stark nach. Gold und Silber können nicht profitieren, während sich die Kryptowährung Bitcoins erholt. Geplante Stahl- und Aluminiumzölle der USA beunruhigen die Europäische Union (EU), China und Kanada; die EU erwägt Gegenmaßnahmen. Trump erhöht den Druck auf Nordkorea. Italien wählt neue Regierung. In Deutschland entscheidet sich die SPD für die GroKo.

Aktienmärkte geben auf breiter Front nach

Seit dem 26. Februar brach der US-amerikanische Dow-Jones-Index (DJI) von 25.800 auf unter 24.300 Indexpunkte im Tief ein, was immerhin 1.500 DJI-Punkte in einer Woche bedeutet. Das war dann nun die zweite große Verkaufswelle nach dem 5. und 9. Februar an fast allen Weltbörsen. Beim DJI gibt es bei unter 24.000 Zählern ein weiteres Verkaufssignal. Das Tief lag am 9. Februar intraday bei 23.400 Indexpunkten. Am Freitag schloss der DJI „nur“ mit 0,29 Prozent schwächer bei 24.538 Indexpunkten.

Der deutsche Leitindex Dax gab am Freitag, 2. März 2018, um 0,7 Prozent auf 11.994 Indexpunkte und damit in der vergangenen Woche von 12.600 auf 11.900 Indexpunkte nach, was 1.300 Dax-Indexpunkte waren. Falls der Dax nachhaltig unter 11.800 Indexpunkte fallen sollte, droht eine weitere Verkaufswelle oder ein zweiter Flash-Crash wie am 5. Februar an der Wall Street.

Der US-Technologie-Index Nasdaq 100 bildete im Februar ein Doppel-Top bei 7.000 Zählern und gab dann vergangene Woche auf unter 6.800 Indexpunkte nach. Er verlor damit nur etwas über 200 Indexpunkte und konnte sich auch am Freitag recht gut behaupten. Damit ist der Nasdaq-100-Index immer noch mit 5 Prozent seit Jahresbeginn im Plus; das gilt auch für den S&P-Index (Standard & Poor's) mit noch 0,15 Prozent, während der DJI seit Jahresbeginn mit 0,91 Prozent nun knapp ins Minus rutschte. Der Dax gab hingegen seit Jahresbeginn schon um fast 8 Prozent nach und europäische Börsenbarometer EuroStoxx um etwa 5 Prozent. Der japanische Nikkei-Index brach seit Jahresbeginn um fast 7 Prozent ein.

Moskauer Börse gut behauptet

Dagegen konnte sich der russische Aktienmarkt sehr gut behaupten und liegt noch mit über 8 Prozent im Plus. Der RTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für russische Blue Chips, stieg seit Jahresbeginn um fast 9 Prozent auf 2.196 Indexpunkte, war im Hoch aber schon über 12 Prozent im Plus. Die Moskauer Börse bleibt damit einer der Top-Performer unter den Weltbörsen, obwohl der Brentölpreis zuletzt von 68 auf 64 US-Dollar/Barrel leicht nachgab.

Gold und Silber im Minus – Bitcoins kräftig erholt

Gold und Silber konnten hingegen wie schon zuvor nicht von den Kursturbulenzen profitieren. Im Gegenteil: Der Goldpreis fiel in der vergangenen Woche von 1.340 US-Dollar/Unze im Hoch am 27. Februar auf nunmehr 1.322 US-Dollar/Unze und Silber von 16,7 auf 16,55 US-Dollar/Unze. In den letzten fünf Jahren gab der Goldpreis in US-Dollar damit um 16 Prozent nach und der Silberpreis sogar um über 42 Prozent. Bitcoins erholten sich hingegen schon wieder auf fast 9.000 Euro bzw. 11.500 US-Dollar, was ein Kursanstieg von über 60 Prozent seit dem Tief Anfang Februar bedeutet. Damit stiegen Bitcoins trotz der scharfen Korrektur im Januar und Februar immerhin noch um 668 Prozent in einem Jahr.

Wahl in Italien belastete im Vorfeld den Aktienmarkt

Die SPD entschied sich beim Mitgliederentscheid am Wochenende mit einer Mehrheit von 66 Prozent für eine Große Koalition (GroKo), wobei diese Regierung sehr teuer für die deutsche Wirtschaft sein wird. Die SPD bleibt zudem gespalten, denn ein Drittel stimmte gegen eine GroKo.

Im Vorfeld der Wahl kam es zu einer Kaufzurückhaltung beim deutschen Aktienmarkt. Nun warten alle europäischen Anleger auf die Reaktion, die das Wahlergebnis in Italien am 4. März nach sich zieht. Hier wird es ebenfalls zu schwierigen Koalitionsverhandlungen kommen, wer auch immer das Rennen dort machen wird. Viele rechnen mit einem Comeback des 81-jährigen Ex-Präsidenten Silvio Berlusconi, aber auch mit einem starken Abschneiden der rechtspopulistischen, europafeindlichen Fünf-Sterne-Bewegung. Dies wird auch als Richtungsentscheid für Europa gewertet.

In Deutschland werden nun auch italienische Verhältnisse befürchtet und damit eine schwierige Regierungsbildung. Die SPD befindet sich weiterhin in einem Stimmungstief und ist derzeit bei den Umfragen sogar unter die AfD gerutscht. Das Thema „Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge“ beschäftigt zwar die Medien, aber nicht so sehr die Anleger.

Etablierte Parteien im Stimmungstief – drohen nun Weimarer Verhältnisse?

Es gibt einen globalen Trend weltweit, dass etablierte Parteien abgewählt und neue „Bewegungen“ an Stimmen gewinnen, was aber auch die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den jeweiligen Regierungen ausdrückt. Das war in den USA der Fall, in Frankreich ebenfalls. Auch dies ist nicht ganz ungefährlich, denn die Lehren der Weimarer Republik sollte alle noch in Erinnerung haben, als das Suchen nach einem „starken Mann“ letztendlich zu einem Weltkrieg führte. Hier kann man nur warnen: Wehret den Anfängen!

Kommt jetzt ein Handelskrieg …

Noch mehr Sorgen macht der Europäischen Union (EU) aber die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, dass er für Stahlimporte einen Importzoll von 25 Prozent und für Aluminium von 10 Prozent verlangen will. Die EU erwägt jetzt Gegenmaßnahmen und will auf einige US-amerikanische Produkte neue Zölle erheben. Das könnte der Beginn eines Handelskriegs zwischen den USA und China bzw. den USA und Europa werden. Auch hier kann man nur warnen: Wehret den Anfängen, denn dies war der Beginn der Weltwirtschaftskrise in den 1920er-Jahren.

Viele US-Amerikaner warnen auch vor einem Handelskrieg, obwohl Trump meint, er könne ihn leicht gewinnen. Bei einem richtigen Handelskrieg gibt es aber keine Gewinner, da der Welthandel einbrechen könnte und dann die Weltbörsen, worunter die USA früher oder später auch selbst leiden würden. Trump würde mit diesen protektionistischen Maßnahmen also ein gewaltiges Eigentor schießen, das dann auch nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Genau davor haben auch die Anleger Angst und verkauften auf breiter Front Aktien. Zudem wird im März 2018 eine neue Zinserhöhung der US-Notenbank Fed befürchtet, obwohl die Inflationsrate zuletzt nicht sonderlich strak in den USA anstieg.

… als Vorstufe zu einem „richtigen“ Krieg?

Neben der Gefahr eines neuen Handelskriegs besteht die Gefahr eines verschärften Konflikts der USA mit Nordkorea, da Trump nun mit der Phase 2, also verschärften Sanktionen gegen Nordkorea droht, wenn das Land nicht mit dem Bau von Atomwaffen aufhört. Auch gegen den Iran behält sich Trump verschärfte Sanktionen vor. Zudem könnten sich die Spannungen zu Russland erhöhen, zumal der Ukraine-Konflikt auch noch nicht gelöst ist, erst recht nicht der Syrien-Konflikt, bei dem Russland das Zepter in der Hand zu haben scheint. Die Waffenruhe wird in Syrien nicht eingehalten. Israel droht dem Iran mit einem Militärschlag, wenn es durch iranische Drohnen angegriffen wird oder Iran an einer Atombombe bauen sollte. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass. Der anhaltende Bürgerkrieg in Jemen mit über 15 Millionen hungernden und notleidenden Menschen gerät dabei fast in Vergessenheit, was ein Stellvertreterkrieg Saudi-Arabien gegen den Iran bedeutet, wobei Russland wiederum den Iran und die USA Saudi-Arabien unterstützen.

Es gab und gibt derzeit mehrere subtile Stellvertreterkriege Russland gegen USA in der Ukraine und in Syrien. Fraglich ist, ob es zu einem Einsatz von Friedenstruppen der Vereinten Nationen, der UN-Blauhelme, in der Ukraine kommen wird. Die USA wollen nun „Verteidigungs“-Waffen in die Ukraine schicken, um Russland als mutmaßlichen Aggressor dort abzuwehren. Zudem gibt es anhaltende Cyberkriege im Hintergrund. Wenn nun noch Nordkorea als Kriegsherd hinzukäme, wäre es nicht mehr weit zu einem „richtigen“ dritten Weltkrieg, zumal sich dort auch China einschalten würde. China will verhindern, dass die USA nicht zu nah an China heranrücken.

Cyberattacken und -kriege nehmen zu

Neben diesen Drohungen gegen Nordkorea, die Trump auch umsetzen könnte, war die deutsche Regierung über einen Cyberangriff besorgt, der diesmal das Sicherheitsnetz der Bundesregierung – und hier wiederum besonders das Auswärtige Amt – betraf und nicht nur wie zuvor den Bundestag. Aber auch das Baltikum und einige skandinavische Länder wurden schon seit Ende 2016 offenbar erfolgreich von Hackern angegriffen. Auch hier werden wieder Hackerattacken des russischen Geheimdienstes FSB vermutet, ohne dies beweisen zu können.

USA und Russland rüsten auf – wozu?

Russlands Präsident Wladimir Putin brüstet sich nun, eine neue Generation von Atomwaffen präsentieren zu können, die angeblich von keinem Radarsystem mehr erfasst werden kann. Hier ging die Drohung klar in Richtung der USA, was dort wiederum zu scharfen Protesten führte. Die USA wollen mit einem Etat von 700 Milliarden US-Dollar nun auch das Atomarsenal modernisieren. Das kann wiederum zu einem neuen Rüstungswettlauf führen.

Dagegen ist die Nato (Nordatlantisches Bündnis) und vor allem das deutsche Militär nicht auf dem neuesten technischen Stand, was U-Boote, Hubschrauber und auch Funkgeräte angeht. Eine Modernsierung wird hier im Zweifel viel zu lange dauern. Russland wird seitens der Nato immer noch als Feind und nicht als strategischer Partner angesehen. Auch das militärische Verhalten der Türkei im Hinblick auf den Kurdistan-Konflikt wirft weitere ungelöste Fragen als Nato-Partner. Leidtragender ist in jedem Krieg immer nur die Bevölkerung.

Der „kalte Krieg“ zwischen Russland und den USA geht damit in den nächste Runde. Man kann nur hoffen, dass aus einem kalten Krieg nicht irgendwann doch einmal ein heißer Krieg der beiden Großmächte wird. Auch ein Krieg der USA gegen Nordkorea könnte einen Flächenbrand oder sogar einen Weltkrieg auslösen, da China und Russland eher Nordkorea als die USA unterstützen würden.

Am 18. März 2018 finden Präsidentschaftswahlen in Russland statt. Putin wird wohl mit klarer Mehrheit wiedergewählt, da es so gut wie keine nennenswerte Opposition in Russland gibt. Über seine neuen strategischen Ziele darf man gespannt sein. Auch die russische Wirtschaft muss dringend modernisiert werden, um wettbewerbsfähig zu blieben. Daher ist auch in Russland die Digitalisierung ein großes Thema.

(Andreas Männicke)


 


 

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