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Kunstausstellung

Joan Miró und die surrealistische Dichtung

„Miró. Malerei als Poesie“ – unter diesem Titel zeigt das Hamburger Bucerius Kunst Forum bis zum 25. Mai 2015 eine umfassende Werkschau mit rund 80 Exponaten des katalanischen Künstlers Joan Miró. Im Mittelpunkt steht Mirós Verhältnis zur Dichtung und zu den avantgardistischen Schriftstellern in seinem Umfeld.

Es sind seine fantasiereichen, fröhlichen Bildmotive, die Joan Miró (1893 bis 1983) zu einem der beliebtesten Künstler des 20. Jahrhunderts gemacht haben. Schien das Werk Mirós hinlänglich bekannt und ausreichend erforscht zu sein, so greift das Hamburger Bucerius Kunst Forum in der aktuellen Ausstellung „Miró. Malerei als Poesie“ doch eine neue Fragestellung auf: Joan Mirós Verhältnis zur Literatur und sein Zusammenwirken mit avantgardistischen Schriftstellern in Paris ab Mitte der 1920er-Jahre. Die Idee zu dieser Fragestellung stammt von dem englischen Kunsthistoriker Dr. Michael Peppiatt, der die Ausstellung zusammen mit Dr. Ortrud Westheider und Dr. Marion Ackermann, Künstlerische Direktorin Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, kuratiert hat. Es sei eine große Überraschung gewesen, dass diese Perspektive, wie Miró in die literarische Welt eingebunden war, bisher wenig bekannt und erforscht sei, sagte Ortrud Westheider, Direktorin des Bucerius Kunst Forums, auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung am 29. Januar 2015. Auch sei Miró stark in den Surrealismus involviert und wichtiger Impulsgeber für René Magritte und André Breton gewesen. Dabei habe Miró selbst nie einer künstlerischen Gruppe angehört, sondern den Freiheitsanspruch, der sich in seinen Werken findet, auch gelebt.

Mirós Grenzüberschreitung zwischen Malerei und Dichtung

Im Jahr 1920 verließ der damals 27-jährige Miró seine Geburtsstadt Barcelona, um in Paris Inspiration zu suchen. Zu der Zeit war er bereits mit dem Dadaismus vertraut – einer künstlerisch-literarischen Bewegung, die Kritik an Gesellschaft und Sprache übte. In Paris freundete er sich mit Schriftstellern an, die nach dem Ersten Weltkrieg einen radikalen Neuanfang wagten. Sie wollen eine „Nicht-Sprache des Nicht-Denkens“ schaffen. Diese Anti-Dichtung sollte den Leser frei machen und neue Assoziationen zulassen. Aus den Kontakten zu Literaten des Dadaismus und Surrealismus zog Miró seine wichtigsten Anregungen und übertrug ihr Konzept auf seine Kunst. Er erweiterte die Grenzen der Malerei, indem er Buchstaben, Wortfragmente und schriftartige Zeichen in seine Motive spielerisch einarbeitete. Durch diese Verwendung trennte er die Schrift von der Logik und Bedeutung.

Derartige Kombinationen von Text und Bild, bei denen die Worte als Impulsgeber für Assoziationen dienen, prägten den Surrealismus. Miró hat dabei dieses Verständnis maßgeblich beeinflusst. Seine Werke regten den jungen René Magritte ebenso an wie den André Breton, den „Papst des Surrealismus“. Auch gab es wechselseitige Einflüsse zwischen den Kunstgattungen: So wie Texte ihm Impulse gaben, ließen sich Dichter von ihm inspirieren.

80 Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Buchprojekte

Das Bucerius Kunst Forum zeigt rund 80 Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und gestaltete Künstlerbücher, die als Leihgaben aus internationalen Sammlungen stammen, darunter die Fundació Joan Miró in Barcelona und Fundació Pilar und Joan Miró a Mallorca, das Museum of Modern Art und das Guggenheim-Museum in New York, die Tate in London und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die eindrucksvolle Schau gibt nicht nur den Blick frei auf Mirós Verhältnis zur surrealistischen Dichtkunst und seine Einbindung in die Avantgarde. Sie hat auch den Charakter einer Retrospektive: Zu sehen sind Werke des Künstlers ab 1917 bis zwei Jahre vor seinem Tod, die die systematische Entwicklung seiner Kunst veranschaulichen. Von Landschaften und Stillleben zu einfarbigen Bild-Gedichten in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre, düsteren Werke aus den 30er- und 40er-Jahren – geprägt von der Opposition zum Faschismus und der Franco-Diktatur –, aggressiv-gestenhafte Bilder aus der Zeit der Protestbewegung der 68-Generation bis hin zu Sternbildern und kosmischen Welten, Schriftbändern und einer repräsentativen Auswahl von Mirós Malerbüchern, die ab Ende der 40er- bis zum Ende seines Lebens entstanden.

Joan Punyet Miró: „All these great men put together in Miró’s melting pot comes to this exhibition.“

Joan Punyet Miró, Enkel des Malers und Leiter der Successió in Mallorca, die das künstlerische Erbe verwaltet, war anlässlich der Ausstellungseröffnung nach Hamburg gereist. Er zeigte sich begeistert von der Werkschau, die die philosophische und poetische Sicht des Künstlers in den Mittelpunkt stellt. Sein Großvater habe sich sehr für Literatur, Gedichte und speziell auch Goethe interessiert. In seiner privaten Bibliothek auf Mallorca habe der Künstler 1.700 Bücher zusammengetragen und sich unter anderem mit Werken von Dostojewski, Nietzsche und Freud beschäftigt und sich von ihnen inspirieren lassen. Alle diese bedeutenden Menschen kämen durch Mirós Werke nun auch in die Ausstellung: „All these great men put together in Miró’s melting pot comes to this exhibition”, erläuterte Joan Punyet Miró das gattungsübergreifende künstlerische Verständnis seines Großvaters.

„Miró. Malerei als Poesie“, Kunstausstellung im Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg. Laufzeit bis 25. Mai 2015. Öffnungszeiten täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.

Es gibt ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Diskussionen, Lesungen, Konzerte, ein Poetry Slam und Pub-Quiz. Am 22. Februar von 11 bis 19 Uhr findet der Kindertag „Park der Sensationen“ mit Bastelprogramm, verschiedenen Themenführungen und Wettbewerben statt (Eintritt frei). Am 18. März erinnert sich Joan Punyet Miró im Gespräch mit Dr. Ortrud Westheider an seinen Großvater (in englischer Sprache). www.buceriuskunstforum.de

ERFOLGREICHE BILANZ: 200.000 BESUCHER IM JAHR 2014
Das Bucerius Kunst Forum blickt auf ein erfolgreiches Ausstellungsjahr 2014 zurück: Highlights von Mondrian bis Pompeji zogen 200.000 Besucher in das Hamburger Ausstellungshaus. „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen“ war mit insgesamt rund 90.000 Besuchern und täglich bis zu 1.500 Gästen die besucherstärkste Schau im vergangenen Jahr.

(Tanja Königshagen)


 


 

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