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Osteuropa-Börsen boomen, aber kaum einer ist dabei!

Der deutsche Leitindex Dax erreicht ein neues Allzeithoch; noch besser stehen die Osteuropa-Börsen da. Einschätzung vom Börsenexperten Andreas Männicke.

Eisenhans / Fotolia.com

Die Börsen in Osteuropa boomen. Ein Drittel der Top-Performer der Welt kommen aus Osteuropa. Nur kaum ein deutschsprechender Anleger ist dabei, weil die osteuropäischen Börsen immer noch sehr stiefmütterlich von den Medien behandelt werden und Bankberater sich kaum in Osteuropa auskennen. Stattdessen werden chinesische Aktien wie Alibaba und Tencent empfohlen, die in den Keller fallen. Dabei gibt es gute Gründe, warum man auch weiterhin auch Aktien aus Osteuropa in sein Depot nehmen sollte.

Der RDX-Index stieg am 12. August 2021 auf das neue Jahreshoch von 1.860 Indexpunkten, was ein Plus von 30 Prozent seit Jahresbeginn bedeutete. Aber nicht nur die Moskauer Börse überzeugt erneut mit einer deutlichen Outperformance zum Dax, sondern elf Börsen in Osteuropa konnten den Dax klar outperformen. Börsenexperte Andreas Männicke gibt seine Einschätzungen dazu

Osteuropa-Börsen weit besser als der Dax trotz neuem Allzeithoch

Der deutsche Aktienindex Dax erreichte zwar am Freitag, 13. August (also an einem Glückstag!) ein neues Allzeithoch mit intraday erstmals über 16.000 Indexpunkten. Weit besser schnitten jedoch wieder einmal viele Börsen in Osteuropa ab, was kaum bekannt ist. Die osteuropäischen Börsen werden nur selten in westlichen Medien thematisiert, was erstaunt, denn es ist nicht das erste Mal, dass die Börsen in Osteuropa die Performanceranglisten der Weltbörsen anführen. So überzeugte schon im Jahr 2019 die Moskauer Börse mit einem Kursplus von fast 50 Prozent. Auch in diesem Jahr erreichte der RDX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für russische Aktien, ein Plus von über 30 Prozent.

Joe Biden warnt vor einem dritten Weltkrieg nach Hackerangriffen

Die russische Wirtschaft erholte sich viel schneller von der Corona-Krise als viele westliche Länder, sie verschuldet sich dabei aber auch nicht so hoch wie viele westliche Länder. Das wird in den westlichen Medien kaum erwähnt. Die politischen Spannungen mit der EU und den USA sind aber weiterhin sehr groß. Die USA machen – oft ohne klare Beweise – Russland und China immer wieder für Hackerangriffe auf die heimische Wirtschaft verantwortlich. Joe Biden warnte unlängst sogar davor, dass fortgesetzte Hackerangriffe (aus China und Russland) in großem Stil zu einem dritten Weltkrieg führen könnten. An den Börsen kam diese Warnung bisher allerdings noch nicht an.

Kein neuer Lockdown in Russland trotz hoher Zahl von „Corona-Toten“

Selbst die sich schnell ausbreitende Delta-Variante sorgt im Moment nicht für Beunruhigung an der Moskauer Börse, da es noch nicht zu einem neuen Lockdown gekommen ist. In Russland ist die Impfbereitschaft immer sehr gering. Erst 27 Prozent der Bevölkerung sind „durchgeimpft“. Es soll auch fortan zu keinem neuen Lockdown kommen, obwohl die Zahl der „Corona-Toten“ unlängst das Rekordniveau von 800 täglich überschritt.

Gazprom trotz politischer Risiken weiterhin stark nachgefragt

Stark nachgefragt auch an deutschen Börsenplätzen bleibt der Gasgigant Gazprom. Der Kurs stieg in der vergangenen Woche auf ein neues Jahreshoch von 6,74 Euro. Im letzten Jahr war die Aktie im April noch bei 3,60 Euro zu bekommen. Gazprom bleibt zwar nicht nur wegen des umstrittenen Baus der Nordischen Pipeline ein „Politikum“, sondern auf der anderen Seite auch die preiswerteste Energieaktie der Welt mit den höchsten Dividendenrenditen von über 10 Prozent. Es gibt aber auch andere Rohstoffwerte aus dem Metallsektor in Russland, die sehr attraktiv bewertet werden mit ebenfalls sehr hohen Dividendenrenditen im zweistelligen Prozent-Bereich.

Starker Rubel trotz fallender Ölpreise

Der für Russland wegen der hohen Exporteinnahmen sehr wichtige Brentölpreis fiel zwar im August kräftig von 75 auf 70 US-Dollar/Barrel, dennoch blieb der Rubel sehr stabil nahen dem Jahreshoch bei 86,2 Euro/Rubel, weil die russische Notenbank wegen der zu stark gestiegenen Inflation den Zinssatz um 1 Prozent auf 6,5 Prozent anhob. Neben Kursgewinnen an der Moskauer Börsen gab es also auch Währungsgewinne, was im letzten Jahr nicht der Fall war.

Kasachstan (plus 46 Prozent !) lockt mit niedrigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen

Noch besser als die Aktien in Russland performen aber die Aktien aus Kasachstan. Auch hier gibt es eine Reihe von Aktien mit sehr niedrigen Bewertungen und sehr hohen Dividendenrenditen. Der KTX-Index, ebenfalls ein Kunstprodukt der Wiener Börse für Aktien aus Kasachstan, stieg in der vergangenen Woche auf das neue Jahreshoch von 584 Index-Punkten was ein Plus von 46 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet.

Baltische Länder bleiben die „Oasen der Stabilität“

Weit überdurchschnittlich performen auch die baltischen Börsen in Estland, Litauen und Lettland. Die meisten Länder in Osteuropa weisen viel geringere Verschuldungsrade, aber wesentlich höhere Wachstumsraten aus, was sie weiterhin attraktiv erscheinen lässt, zumal die Bewertungen sehr gering sind. Die schnell wachsenden baltischen Länder bleiben der „Oasen der Stabilität“ – auch nach der Corona-Krise.

11 Börsen in Osteuropa können den Dax weiterhin outperformen

Ein Drittel der 30 am besten performenden Börsen der Welt stammt wieder einmal aus Osteuropa, nur kaum ein deutscher Anleger profitierte aus besagten Gründen davon. Sicherlich sind die meisten Osteuropa-Börsen mit Ausnahme der Moskauer und Warschauer Börse relativ kleine und illiquide Börsen, ganz zu schweigen von den Börsen der GUS-Republiken oder Südosteuropas. In den Haussephasen performen die Osteuropa-Börsen meistens besser; im Baissephasen oder bei Aktien-Crashs wie im März 2020 kommen sie aber auch mehr unter die Räder, was man durch Cross-Hedging absichern kann.

Insgesamt 11 Börsen in Osteuropa zählen nun schon wieder zu den 30 am besten performenden Börsenplätzen der Welt angeführt von Kasachstan mit plus 46 Prozent, gefolgt von Estland (plus 35,5 Prozent), Bulgarien (plus 34,3 Prozent), Tschechien (plus 32,8 Prozent), Ukraine (plus 32,7 Prozent), Russland (plus 25,1 Prozent), Slowenien (plus 25,3 Prozent), Rumänien (plus 26,8 Prozent), Bosnien (plus 19,1 Prozent), Ungarn (plus 18,6 Prozent) und Litauen (plus 17,9 Prozent).

Unter den zentralosteuropäischen Börsen performte diesmal am besten die Prager Börse. Und auch die Budapester Börse konnte den Dax outperformen. Etwas zurück blieb in diesem Jahr die Warschauer Börse. An der Warschauer Börse gibt es gute Chancen im Wachstums-Marktsegment für Small und Mid Caps „New Connect“, wo unter anderen die Hersteller von Video-Spielen schon Weltgeltung erlangten. So gibt es immer wieder neue Chancen an den Börsen Osteuropas, die der Anleger nutzen kann, wenn er davon erfährt.

— Andreas Männicke —

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ZUM AUTOR

Andreas Männicke ist Journalist, Buchautor, Verleger, Börsen-Experte und Berater (mit Spezialisierung auf Osteuropa) – bekannt aus TV- und Radio-Sendungen wie N-TV, N24, DAF, Bloomberg, Deutsche Welle. Mehr Information: www.andreas-maennicke.de und www.eaststock.de.

Bildquellen

  • fotolia_31551207: Eisenhans / stock.adobe.com (Fotolia)
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