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Coaching & Mediation

Rechts-Coach – was ist denn das?

Friederike Matheis verbindet juristisches Know-how mit Mediations- und Coaching-Kompetenz – eine berufliche Kombination, die sie als „Rechts-Coaching“ bezeichnet. Ihren Klienten hilft sie, in rechtlichen Konflikten, die ihren Ursprung in einer besonderen Lebenssituation haben, Handlungs- und Lösungswege zu finden.

Ich sitze im Gerichtssaal in öffentlicher Verhandlung im Zuhörerbereich, da wo das am Prozess unbeteiligte Publikum als „Vertreter des Deutschen Volkes“ sitzt, in dessen Namen die deutschen Gerichte ihre Urteile sprechen. Ich sitze da also als Deutsches Volk und auf der Anklagebank sitzt mein Coachée. Obwohl ich Rechtsanwältin bin, vertrete ich ihn nicht vor Gericht, sondern berate und begleite ihn aus dem Hintergrund.

Stärkung und Begleitung im Hintergrund eines Gerichtsprozesses

Hier geht um ein typisches Delikt, das jedem Unternehmer passieren kann, der in eine Insolvenz rein gerutscht ist und es zu spät gemerkt hat. Im Übrigen geht es um seine Lebensgestaltung überhaupt. Er vertritt sich selbst, ohne das Gericht mit anwaltlichen Winkelzügen zu verärgern. Er fühlt sich mental gestärkt, denn er weiß, sein Coach ist da. Was er sagt, wie es dazu gekommen ist, welche Umstände für seine subjektive Wahrnehmung des Geschehenen und die juristische „Schuldfrage“ ausschlaggebend waren, haben wir vorher besprochen. Seine Authentizität macht ihn für das Gericht glaubwürdig. Er kommt mit „einem blauen Auge“ davon. Und ist dankbar für diesen Verfahrensausgang.

Ein anderer Fall: Eine Klientin kommt zu mir auf Empfehlung wegen einer „Erbsache“, nachdem sie bereits bei zwei Rechtsanwälten erbrechtliche Beratung erbeten hatte. Die Erbrechtler hatten ihre Geschichte durch die rein juristische Brille wahrgenommen und ihr letztlich nicht geholfen.

Ich lasse sie berichten, ohne rechtlich Irrelevantes weg zu filtern. Alles, was sie sagt, ist wichtig. Ihr Lebensgefährte, ein „Ausländer aus Übersee“, geschiedener Vater von fünf Kindern, war – hoch verschuldet – ganz plötzlich und unerwartet verstorben. Als sie die erwachsenen Kinder im Ausland benachrichtigt, kommen drei angereist und erfahren erst einmal, dass es außer Schulden vom Vater nichts zu erben gibt. Meine Klientin hatte ihnen empfohlen, sich wegen ihrer Erbsituation rechtlich beraten zu lassen, mit der Folge, dass sie die Erbschaft des Vaters ausschlugen.

Als freundliche Gastgeberin hatte sie zwei der Kinder in ihrer Wohnung, die sie mit ihrem verstorbenen Lebensgefährten geteilt hatte, aufgenommen. Bald stellte sie fest, dass einige nicht ganz wertlose Dinge, die sie ihrem Lebensgefährten geschenkt hatte, fehlten. Was tun?

Der erste konsultierte Anwalt erklärte ihr, er sei in dem ausländischen Erbrecht nicht bewandert und sei nicht sicher, ob Deutsches oder das ausländische Recht anwendbar sei. Der zweite erklärte, er wolle die Rechtslage prüfen. Aber der Fall war eigentlich gar kein „Rechts-Fall“ und der Klientin eilte es.

Diesen Fall haben wir nicht-juristisch gelöst. Auf meine Empfehlung hin tauschte sie flugs ihr Wohnungsschloss aus und traf dann die Kinder in einem Hotel zur Besprechung und Konfliktlösung. Sie erklärte ihnen, dass sie Verständnis dafür habe, dass sie etwas Persönliches von ihrem Vater wünschten, übergab ihnen einige Bücher und ein paar persönliche Dinge. Und danach verabschiedete sie die Kinder ihres verstorbenen Lebenspartners, im Reinen mit sich selbst und in Frieden mit den Kindern. Sie hatte sich eine Menge unnötiger Rechtsberatungskosten erspart.

Ein dritter Fall: Eine Klientin hatte nach plötzlichem Herztod ihres Ehemannes ein Hafenbetriebsunternehmen mit 20 Mitarbeitern geerbt. Sie kam zu mir als Coach, weil sie mich einige Jahre früher als Arbeitsrechtlerin kennengelernt hatte. Sie fühlte sich der Aufgabe zunächst nicht gewachsen und war unsicher, was sie mit der Firma, die nun vorläufig vom Prokuristen geleitet wurde, anfangen sollte. Sie kannte nur Teilbereiche der Firma, für die sie bis zum Tod ihres Gatten die Buchhaltung gemacht hatte. Im Rahmen des Coachings entschied sie sich für ein intensives Selbstentwicklungstraining und einen anschließenden halbjährigen Intensiv-Kurs bei der Handelskammer als GmbH-Geschäftsführerin. Bald entdeckte sie, dass der Prokurist Entscheidungen und Handlungen vollzog, die zum Nachteil der Firma waren. Im Hintergrund begleitete ich die Klientin coachend und unter Berücksichtigung meiner Rechtskenntnisse. Sie verhandelte mit dem Prokuristen allein und führte – diplomatisch, aber stark – eine vorteilhafte, außergerichtliche Einigung mit ihm herbei. Sie übernahm die Geschäftsführung in alleiniger Verantwortung und verkaufte die Firma einige Jahre später mit erfreulichem Gewinn.

Alternative Lösungswege in rechtlichen Konflikten finden

In allen drei Beispielen geht es um rechtlich relevante Konflikte, die ihren Ursprung in einer besonderen Lebenssituation haben. Diese Konfliktursachen zu untersuchen, die beteiligten Interessen herauszuarbeiten, emotionale Aspekte und Lebensumstände, Bedürfnisse und Gefühle, die die Entscheidungen maßgeblich beeinflussen, in die Überlegungen mit einzubeziehen und über verschiedene Konsequenzen nachzudenken, bevor man sich für einen Handlungsweg, eine Lösung entscheidet – das nenne ich „Rechts-Coaching“.

Soviel vorweg, den Begriff „Rechts-Coach“ gibt es bisher offiziell nicht und er ist natürlich erst recht keine geschützte Berufsbezeichnung. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es ein langer Weg gewesen, das tun zu können, was ich heute Rechts-Coaching nenne.

Ich habe ungefähr 25 Jahre forensisch als Rechtsanwältin in eigener Kanzlei gearbeitet, bevor ich meine Robe gereinigt und in Cellophan gehüllt endgültig in den Kleiderschrank gehängt habe. Als Juristin war auch ich von Anbeginn des Jurastudiums darauf trainiert, einen Sachverhalt immer zuerst durch die juristische Brille wahrzunehmen. Wenn ein Mandant kommt und seinen Fall darlegt, was ist für welche Ansprüche rechtlich relevant? Welches Recht ist anwendbar? Ist ein Anspruch begründet? Welche Einwände könnten erhoben werden? Welchen Tatbestand erfüllt das zu untersuchende Verhalten? Wer hat die Beweislast?

Mediation für außergerichtliche Einigung

Der Sachverhalt, den die Mandantschaft berichtet, wird sofort durch diese juristischen Filter wahrgenommen. Der Mandant, so glauben Rechtsanwältinnen und -anwälte, will immer „Recht bekommen“. Er will nur meinen Rechtsrat, will erfahren wie er „sein Recht“ bekommt und was das kostet. Das stimmt aber nicht in jedem Fall. Rechtsanwälte sind ausbildungsbedingt nicht in erster Linie darauf konditioniert, das Beste, die beste Lösung, sondern die beste rechtliche Lösung für ihre Mandantschaft herauszuholen.

So übersehen viele Anwältinnen und Anwälte zum Beispiel auch den Wert von alternativen, mediativen Konflikt-Lösungen. Nichtjuristische Konfliktlösungen, insbesondere Mediationen, sind bisher bei Juristen immer noch nicht sonderlich beliebt, es sei denn, es handelt sich um Anwälte, die eben aufgrund einer zusätzlichen Mediatorenausbildung auch selbst Mediationen anbieten.

Während aber Mediatorinnen und Mediatoren vermittelnde Verhandlungsführer sind, also mit beiden Konfliktparteien zu tun haben, ist ein „Rechts-Coach“ in dem Sinne, wie ich diese spezielle Dienstleistung bezeichne, eine Person, die sowohl über anwaltliche Berufserfahrung und darüber hinaus über eine profunde Coach-Ausbildung und -Erfahrung verfügt. Diese habe ich mir in vielen Jahren parallel zu meiner Anwaltstätigkeit erarbeitet und darüber hinaus zusätzlich die Ausbildung zur Mediatorin gemacht.

Blick auf die individuelle Lebenssituation

Bei Rechtskonflikten arbeite ich gemeinsam mit meinem Klienten. Wir überdenken und erforschen gemeinsam immer mehrere Varianten und die Klientin oder der Klient entscheidet sich dann für den Weg, der ihm in seiner Lebenssituation als der beste erscheint. Ein Weg, der individuell in seiner Lebenssituation der für ihn Richtige ist und der sich für ihn auch gut anfühlt.

Da ich mich vor zwanzig Jahren entschieden habe nicht mehr forensisch zu arbeiten, empfehle ich nicht selten die Einschaltung von Rechtsanwaltskolleginnen und -kollegen, wenn es erforderlich ist einen Rechtsstreit vor Gericht zu führen, um ein Urteil zu bekommen. Es gibt ja auch viele Konflikte, die sich nicht durch eine mediative Vereinbarung außergerichtlich lösen lassen. Und sei es nur, weil die andere Partei partout keine friedliche Lösung will.

Aber selbst und gerade in diesen Fällen ist ein einseitiges Coaching im Hintergrunde des Rechtsstreites sinnvoll. Nicht jeder findet eine friedliche Lösung attraktiv, obwohl sie doch Kosten und Lebenszeit spart und Lebensqualität verbessert. Und ja, manchmal braucht man auch ein Grundsatzurteil.

Aber es gibt viele Fälle, in denen eine individuelle, außergerichtliche Lösung vorteilhaft ist. Als Rechts-Coach im Hintergrund begleite ich Klienten manches Mal in Kooperation mit einer anwaltlichen Vertretung, und gemeinsam arbeiten wir auf eine beste Lösung hin.
Und die ist oft ganz und gar un-juristisch, aber doch sehr befreiend.

(Friederike Matheis)


 


 

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