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Touristikbranche

Strategisches Auslandsmarketing als touristischer Aspekt der Olympia-Bewerbung – Norddeutsches Tourismusforum tagte in Hamburg

„Olympische Perspektiven für das norddeutsche Auslandsmarketing“ war das Thema des 3. Norddeutschen Tourismusforums, das anlässlich der Cruise Days auf dem Kreuzfahrtschiff „Costa neoRomantica“ am 11. September 2015 stattfand. Mehr als hundert Vertreter aus Politik, von Tourismusorganisationen und den norddeutschen Handelskammern trafen sich zum Gedankenaustausch.

Stehen im Ausland bisher vor allem süddeutsche Städte und Attraktionen wie München – wo 1972 die Olympischen Spiele ausgetragen wurden –, die Zugspitze oder Schloss Neuschwanstein im Fokus der nach Deutschland kommenden Touristen, könnte sich das im Zuge der Bewerbung Hamburgs für die Olympischen Sommerspiele 2024 ändern. Dann bietet sich für die Elbmetropole und die gesamte Region eine einmalige Chance, dem Deutschland-Bild in der Welt eine touristische norddeutsche Facette hinzuzufügen.

Bereits im Vorfeld der offiziellen Bewerbung und vor der endgültigen Entscheidung stehen Hamburg und Norddeutschland im Blick der Weltöffentlichkeit. Dieses internationale Interesse wollen die IHK Nord – die Arbeitsgemeinschaft 13 norddeutscher Industrie- und Handelskammern, unter Vorsitz der Handelskammer Hamburg – und Deutsches Küstenland e.V., die Tourismusorganisation der fünf norddeutschen Länder, für den Fremdenverkehr in der Region nutzen. Unter dem Motto: „Gold für Norddeutschland! – Olympische Perspektiven für das norddeutsche Auslandsmarketing“ gab es in Impulsvorträgen und einer Podiumsdiskussion einen Expertenaustausch darüber, wie sich diese Möglichkeiten im strategischen Auslandsmarketing nutzen lassen und welche Handlungsbedarfe sich daraus für den internationalen Tourismus in Norddeutschland ergeben.

Mit an Bord waren Stephan Abel, Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes e.V. (DOSB), Michael Rabe, Generalsekretär des Bundesverbands der deutschen Tourismuswirtschaft e.V., Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern, Prof. Norbert Aust, Vorsitzender des Tourismusverbands Hamburg e.V., Dietrich von Albedyll, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Marketing GmbH, Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik Zentrale, Dr. Malte Heyne, Geschäftsführer IHK Nord sowie Luis M Puig Català, Mitglied der Cambra de Comerç de Barcelona. Im Podium diskutierten Claudia Gilles, Hauptgeschäftsführung Deutscher Tourismusverband e.V. (DTV), Julia Grundmann, Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT), Barbara Schwartz, Deutsches Küstenland e.V., Andrea C. Bayer, Marketingleiterin und Prokuristin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH und Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, führte durch die Podiumsdiskussion.

Dietrich von Albedyll: „Wir haben im Norden eine spürbare Schwäche, was den internationalen Tourismus angeht. Zwei Drittel des internationalen Tourismus findet in Süddeutschland statt. Durch Olympia hat der Norden eine riesige Chance aufzuholen.“

Großes Potenzial für das Incoming-Geschäft aus dem Ausland

Olympia bietet immenses Potenzial im Auslandsmarketing für den Tourismusstandort Hamburg und den Norden, darin waren sich die Tourismusexperten einig. Ein Anstieg der Besucher und Übernachtungszahlen sind nur ein Teil der zu erwartenden positiven Effekte. Hamburg könne sich noch stärker als Topdestination auf der touristischen Landkarte etablieren, sagte Michael Rabe vom Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft. Der Ausbau von Hotelkapazitäten und Infrastruktur wie auch die Ausweitung internationaler Services komme Touristen und Geschäftsreisenden auch nach dem Event zugute. Dank guter Verkehrswege würden andere Städte und Regionen ebenfalls profitieren. Es gebe zwar auch Verlierer, so Rabe, etwa durch Veränderungen der Reiseströme, die andere Regionen oder das Veranstaltungs- und Kongressgeschäft während der Olympischen Spiele spüren werden, dennoch würden die Vorteile langfristig überwiegen.

„Voll im Olympia-Modus“ zeigte sich Stefan Abel und lenkte den Blick auf „Sport als Leidenschaft“, die es überall zu entzünden gilt – zuerst für das Referendum in Hamburg. Er gehe davon aus, dass Hamburg eine überwältige Zustimmung in der Bevölkerung bekommen werde, sagte der DOSB-Vizepräsident. Das Konzept für die Olympischen und Paralympischen Spiele in der Hansestadt sei einmalig, da zum ersten Mal die Athleten im Vordergrund stünden und alle Sportstätten innerhalb eines Radius von 10 Kilometern erreichbar seien. „Die Athleten steigen aufs Fahrrad und sind in fünf Minuten im Olympiastadion, im Schwimmstadion oder der Turnhalle“, so Abel. Das zeichne die Bewerbung aus und sei generell ein wichtiges Element für die Entwicklung der Stadt und der Region etwa im Hinblick auf Barrierefreiheit.

Gastfreundschaft als Imagefaktor

Dass es sich bei Olympia um kein rein nordisches Thema handelt, sondern vielmehr Deutschland sich für die Olympischen Spiele beworben hat, sprachen Prof. Norbert Aust und Michael Rabe an. Olympia sei überdies eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Für eine erfolgreiche Bewerbung sei es unter anderem wichtig, eine Willkommenskultur weiter aufzubauen. Dazu gehöre auch der Umgang mit Flüchtlingen, der das Bild eines gastfreundlichen Deutschlands im Ausland prägen werde.

Hier setzt auch der DOSB an: Mit 19.000 angeschlossenen Vereine mache er bereits heute aktive Flüchtlingspolitik durch die Bereitstellung von Unterbringungsmöglichkeiten und die Integration von Flüchtlingen in die Sportangebote, so Abel. Diese Integration müsse weiter aktiv gelebt werden, um die Weltoffenheit zu zeigen.

Erfahrungen anderer internationaler Sport-Events zeigen touristische Chancen

Barcelona macht es vor: Der Stadt (1,6 Millionen Einwohner) und den vier katalanischen Provinzen (insgesamt 7,5 Millionen Einwohner) ist es gelungen, sehr stark von den Olympischen Spielen 1992 zu profitieren. Barcelona gehört heute zu den europäischen Topdestinationen. Es habe viele Investitionen in der Stadt gegeben, für Verkehrsinfrastruktur, Kommunikations- und Sportanlagen, führte Luis M Puig Català von Handelskammer in Barcelona aus. Damals habe die Stadt mit dem Rücken zum Meer gelegen und sich durch die Veränderungen räumlich zur Küste hin geöffnet. Der Tourismus verzeichnet seit den Spielen steigende Besucherzahlen in Katalonien (Anstieg zwischen 1992 und 2014 von 9,9 auf 16,8 Millionen Besucher). Die Übernachtungen kletterten bis 2014 pro Jahr um 2 Prozentpunkte in die Höhe, die Anzahl der Betten stieg von knapp 33.500 auf fast 75.000. Und auch einzelne Touristenattraktionen wie die Sagrada Familia profitierten seitdem mit bis 8.000 Besuchern pro Tag.

Gute Erfahrungen mit internationalen Events auch im eigenen Land: Äußerst positive Auswirkungen auf den Tourismusstandort Deutschland hatte die Fußball-WM 2006. „Die Welt war zu Gast bei Freunden und nahm dieses Gefühl nachhaltig mit nach Hause“, so Michael Rabe. Die guten Effekte im Inland belegte er mit Zahlen: Die WM habe für ein Wachstum von 0,3 Prozentpunkten auf das Bruttoinlandsprodukt gesorgt und 50.000 neue Arbeitsplätze im Veranstaltungsjahr geschaffen. Die Übernachtungen in Deutschland legten in den beiden WM-Monaten um fast 20 Prozent zu. Auch neue Kundengruppen konnten demnach erschlossen werden. Umfragen unter ausländischen Gästen hätten gezeigt, dass fast die Hälfte von ihnen zum ersten Mal in Deutschland war. Vor allem unbekannte Spielstätten haben laut Claudia Gilles vom DTV durch die Fußball-WM am stärksten an Bekanntheit gewonnen. Es ist davon auszugehen, dass Olympia 2024 mit Gästen aus 200 Nationen und geschätzten 5 Milliarden Menschen, die das Event weltweit verfolgen, maximale Aufmerksamkeit bringen und einen Gewinn für die Region, ganz Deutschland und die Tourismusbranche sein werde, sagte Rabe.

400.000 bis 500.000 Touristen mehr verspricht sich Mecklenburg-Vorpommern durch die Olympischen Spiele. Mecklenburgs Wirtschaftsminister Harry Glawe, selbst Vater eines Spitzensportlers – sein Sohn Johann Friedrich holte im Juli Gold im Diskuswerfen bei der Leichtathletik-WM in China –, begrüßte die Bewerbung außerordentlich als Chance eines Imagesprungs für Hamburg, den norddeutschen Raum und ganz Deutschland. Er sprach die Bitte aus, bei der Olympia-Planung daran zu denken, auch in die neuen Länder zu schauen. Mecklenburg-Vorpommern habe in den vergangenen Jahren touristisch deutlich zugelegt mit einer toll aufgebauten Infrastruktur und 29 Millionen Übernachtungen im Tourismusbereich.


 


 

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