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Weltbörsen auf Talfahrt – Glaubwürdikeit der Notenbanken in Gefahr

Die Weltbörsen entwickelten in der vergangenen Woche sehr schwach, da sie im Sog der Notenbanken sind. Erst enttäuschte EZB-Chef Mario Draghi die Anleger, indem er nicht „lieferte“, also nicht den Markterwartungen entsprach, nun warten alle Anleger auf die Entscheidung der Fed-Chefin Janet Yellen am 16. Dezember 2015. Wenn auch die Fed nicht „liefern“ sollte, steht die Glaubwürdigkeit der Notenbanken auf dem Spiel. Die Notenbanken manipulieren zunehmend die Finanzmärkte, allen voran die US-Notenbank.

Die Weltbörsen gaben in den vergangenen beiden Wochen kräftig nach. Der Dax fiel seit Anfang Dezember von etwa 11.400 auf 10.282 Indexpunkte, also um über 1.000 Indexpunkte bzw. über 10 Prozent, davon am Freitag, 11. Dezember 2015, um 2,77 Prozent. Der amerikanische Dow Jones Industrial Index (kurz: DJI) fiel im Dezember von 17.900 auf 17.265 Indexpunkte, also um etwa 600 DJI-Indexpunkte, dabei minus 1,79 Prozent am Freitag. Auch der EuroStoxx gab am Freitag um 2,32 Prozent auf 3.183 Indexpunkte nach und der japanische Nikkei-Index fiel an dem Tag um 1,94 Prozent auf 18.705 Indexpunkte. Aus einer erhofften Jahresendrally wurde also zunächst eine kräftige Korrektur, wie es aber oft in den ersten zwei Wochen des Dezembers vorkommt. Gold und Silber konnten von dem kräftigen Kursabschwung an den Weltbörsen kaum profitieren. Gold blieb mit 1.075 US-Dollar/Feinunze nahe dem Fünfjahrestief von 1.048 US-Dollar/Feinunze und Silber brach am Freitag sogar um 1,3 Prozent auf unter 14 US-Dollar/Feinunze ein.

Auch der schwache Yuan brachte zuletzt Bewegung in die ohnehin schwachen Schwellenländerwährungen. Der Rubel wurde in zwei Wochen um 10 Prozent abgewertet. Eine ähnliche Reaktion gab es schon am 24. August 2015 nach der Yuan-Abwertung um 3 Prozent. Der Yuan wird im Dezember nächsten Jahres als fünfte Welt-Reservenwährung aufgenommen. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis er dem US-Dollar als Weltreservenwährung echte Konkurrenz machen kann. Perspektivisch ist dies jedoch möglich und dann haben die USA ein großes Problem. Auffallend sind schon lange die verstärkten Goldkäufe der chinesischen Notenbank. Zudem meiden schon einige Länder den US-Dollar als sonst übliche Handelswährung.

Anleger machen sich zum Sklaven der Notenbanken

Erst wurden die Anleger vom Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi enttäuscht, da er den Markterwartungen nicht entsprach. Und nun haben die Anleger Angst vor einer „falschen“ Entscheidung der US-amerikanischen Notenbank Fed am 15./16. Dezember, also eine Zinserhöhung um 0,25 Basispunkte. Draghi erhöhte den Einlagen(minus) zins der EZB nur auf minus 0,3 Prozent anstelle der erwarteten minus 0,4 Prozent. Auf der anderen Seite erhöhte er nicht wie erwartet das Volumen der Anleihenkäufe. Die Lockerung der Geldpolitik war damit geringer als zuvor von den Marktteilnehmern erhofft ausgefallen. Damit machen sich die Anleger aber selbst auch zum Sklaven der Notenbanken. Der erhoffte Wachstumsschub kommt dadurch nicht zustande. Nicht mal die angestrebte Erhöhung der Inflationsrate auf 2 Prozent ist in Sichtweite. Die Maßnahmen der Notenbanken verpuffen also. Auf der anderen Seite müssen wir uns fragen, wo wir in der Wirtschaft und der Börse stehen würden, wenn es die extrem expansive Geldpolitik seit 2008 nicht gegeben hätte.

Mangelhafte Transparenz und Glaubwürdigkeit der Notenbanken

Kritisiert wird auch die mangelnde Transparenz der EZB bei den Anleihenkäufen. So ist der Wertpapierbestand der nationalen Notenbanken seit 2006 von 200 auf 586 Milliarden Euro gestiegenen. Klar ist, das die italienische Notenbank italienische Anleihen aufkauft und die französische Notenbank französische Anleihen. Das genaue Volumen ist aber nicht bekannt. Dies beanstandet sogar der neue EZB-Chefvolkswirt Petre Praet, dass dies nicht öffentlich gemacht wird. Unter der mangelhaften Transparenz leidet auch die Glaubwürdigkeit und Solidität der Notenbanken, bis es zu einem Bruch kommt. Noch ist die Geldschwemme der Notenbanken der Kitt, der das globale Finanzsystem zusammenhält, aber wie lange noch? Mit Marktwirtschaft hat das aber nichts mehr zu tun. Die Notenbanken manipulieren zunehmend die Finanzmärkte durch ihre „Drogenpolitik“ bzw. dauerhaften Nullzinspolitik, allen voran die Fed.

Ungewöhnliche starke Kurssprünge an den Termin- und Devisenmärkten

Der Euro-Bunde-Future fiel nach der Draghi-Entscheidung am 3. Dezember erst wie ein Stein von 158, 5 auf 155,5, um dann seit dem 4. Dezember wieder sprunghaft auf über 159 anzusteigen, was ungewöhnlich ist. Erstaunlich war auch der Kursanstieg des Euros von 1,06 auf 1,10 Euro/US-Dollar seit dem 3. Dezember, Ist das etwa etwas bezüglich der Fed-Entscheidung bei großen Bankadressen schon vorher durchgesickert? Der Kurssprung beim Euro-Bund-Future deutet darauf hin, dass es keine Zinserhöhung am 16. Dezember geben wird. Auch der Goldkurs stieg am 3. und 4. Dezember ungewöhnlich stark von 1.050 auf fast 1.090 US-Dollar/Unze an, um jetzt wieder auf 1.075 US-Dollar/Unze zu konsolidieren. Am 15/16. Dezember könnte es bei der Fed zu einer Kampfabstimmung kommen.

Uneinigkeit bei den Notenbankenmitgliedern

Auch im EZB-Gremium ist man sich keinesfalls einig über das, was Draghi hinterher verkündet. Die Kurschwankungen dürften auch nach dem 16. Dezember sehr stark und vordergründig „paradox“ ausfallen. Da stellt sich die berichtigte Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Notenbanken effizient oder können die machen, was sie wollen? Die Notenbanken manipulieren schon seit lange die globalen Finanz- und Kapitalmärkte und sind auch ursächlich für die Asset- Inflation , also die Blasenbildung bei Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten verantwortlich, die bisher allerdings auch das Finanz-System retten.

Griechenland erst wieder 2016 im Fokus

Im Euroraum darf man der Hoffnung sein, dass die griechischen Banken etwa 10 Milliarden Euro weniger benötigen also zuvor angenommen. Auf der anderen Seite ist Griechenland im Reformtempo weit hinter dem geforderten Zeitplan zurück. Die Rentenreform wurde noch nicht angegangen und einen Privatisierungsfonds gibt es bis heute nicht. Nun will Griechenland ebenso wie die Türkei als EU-Außengrenze mehr Geld wegen des Flüchtlings-Dramas. Griechenland wird also im nächsten Jahr auf das EU-Krankenbett zurückkommen. Es bleibt abzuwarten, ob es wieder die Intensivstation wird.


 


 

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