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Kulturstadt Hamburg

Elbphilharmonie: Eröffnung des Kultur-Juwels steht bevor

Mit Spannung wird die Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017 erwartet – ein Zentrum, in dem Kultur für jedermann zugänglich sein soll, ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Musik und einzigartiger Hafen-Lage. Während eines Presserundgangs im Dezember konnte unser Redaktionsteam dieses Jahrhundertbauwerk besichtigen.

Kulturreich: ein Haus für alle

Von vielen Orten in der Stadt ist Hamburgs markantes Bauwerk zu sehen. Mit ihrem geschwungenen Dach bildet die Elbphilharmonie in der Stadtsilhouette einen neuen Ankerpunkt. Als Hamburgs neues Wahrzeichen soll die Elphi, wie sie die Hamburger kurz nennen, zudem ein Bild mit hohem Wiedererkennungswert in die Welt hinaus tragen – das ist eines der erklärten Ziele, die der Hamburger Senat mit dem spektakulären Projekt verfolgt. Zwei weitere Ziele: mit der Elbphilharmonie eines der besten Konzerthäuser der Welt in der Stadt zu haben. Als ein „Haus für alle“ soll sie gesellschaftlich-kultureller Anziehungspunkt für Hamburger, Tagestouristen aus dem Umland und internationale Gäste werden – sei es über Konzerte mit vorwiegend klassischer Musik, aber auch anderen Musikrichtungen, über den Musikvermittlungsbereich, oder über die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform.

Am 11. Januar 2017 findet das Premierenkonzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter der Leitung des Chefdirigenten Thomas Hengelbrock statt – und am 12. Januar ein identisches Konzert. Dieses Ereignis wird über Youtube und im Fernsehen mitzuerleben sein.

Geschichtsträchtig: historischer Ort neu belebt

Die Elbphilharmonie liegt auf einer Landzunge, an drei Seiten von Elbwasser umgeben – an der Schnittstelle von Hafen, Unesco-Weltkulturerbe Speicherstadt und innovativer HafenCity, dem derzeit größten innerstädtischen Entwicklungsprojekt Europas.

1875 wurde an diesem Ort im Sandtorhafen das damals größte Lagerhaus des Hamburger Hafens errichtet, der Kaiserspeicher. Schnell avancierte der neugotische Prachtbau zum Wahrzeichen der Stadt; im Zweiten Weltkrieg wurde er jedoch weitgehend zerstört.

An diesem historischen Ort erbaute der Hamburger Architekten Werner Kallmorgen in den 1960er-Jahren den Kaispeicher A. Im damaligen Freihafen (zollrechtliche Freihandelszone) gelegen diente dieser Kaispeicher der Lagerung von Kakao, Tee und Tabak – Ware, die in Säcken verpackt auf Stückgutfrachtern nach Hamburg kam. Mit dem Siegeszug der Containerschifffahrt verlor diese Form von Warentransport und -lagerung an Bedeutung; der Speicher stand seit Ende der 1990er-Jahre leer.

Die erste Idee für die Nachnutzung des Kaispeichers war der Bau eines Bürohauses für die Medienbranche, der mit dem Platzen der Dotcom-Blase aufgegeben wurde.

Anfang der 2.000er-Jahre verfolgten der in Hamburg ansässige Immobilienprojektentwickler Alexander Gérard und die Kunsthistorikerin Jana Marko eine neue Idee für eine geeignete Nutzung: der Kaispeicher als kulturelles Zentrum. Sie kamen mit den Schweizer Architekten Jaques Herzog und Pierre de Meuron zusammen und die Idee einer „Philharmonie Hamburg“ auf dem historischen Lagergebäude, umgeben von privatwirtschaftlichen Nutzungsflächen und einer frei zugänglichen Plaza nahm Gestalt an.

Visionär: Architektur verbindet Alt und Neu

Die Architekten bringen Alt und neu zusammen, sie kombinieren Gegensätzliches miteinander: Der massiv-trutzige Kaispeicher bildet den Sockel für den einzigartigen, leicht wirkenden Glasaufbau.

In dem architektonisch-meisterhaften Gebäude befinden sich im oberen Teil zwei Konzertsäle (Großer und Kleiner Saal), die Plaza als öffentlich zugängliche Aussichtsplattform, Gastronomie sowie ein Luxushotel im östlichen Teil und 45 Luxuswohnungen im westlich gelegenen Teil. Der untere Komplex, der ehemaligen Kaispeicher A, wird zum einem als Parkhaus mit rund 500 Stellplätzen genutzt. Zum anderen befinden sich dort der dritte Konzertsaal, das Kaistudio 1, und ein großer Musikvermittlungsbereich.

Aussichtsplattform, Gastronomie und Hotel sind bereits eröffnet. In den Konzertsälen finden die letzten Arbeiten und der Probenbetrieb statt.

Innovativ: geschwungenes Dach und schillernde Fassade

Mit mehreren Schwüngen erhebt sich das Dach der Elbphilharmonie in Richtung Landzungenspitze von 78 Metern bis zu einer Gesamthöhe von 108 Metern (über Normalnull) und verleiht dem Gebäude seine einzigartige Silhouette. 1.000 Tonnen wiegt allein die Dachkonstruktion der Elbphilharmonie mit den geschwungenen Linien und Spitzen. Unter dem 7.000 Quadratmeter großen Dach verbirgt sich – sternförmig angeordnet – das aufwendige Stahlfachwerk, das den großen Konzertsaal mit einer Gesamtlast von 8.000 Tonnen stützenfrei trägt.

Die Glasfassade wirkt – je nach Lichteinfall – wie ein Juwel, in dem sich der Himmel und die Umgebung spiegeln. Die Fassade besteht aus 1.100 Fensterelementen. Diese sind jeweils zwischen vier und fünf Meter breit und mehr als drei Meter hoch, teilweise eingeschnitten. Ein Teil der Fassadenelemente wurde bei 600 Grad Celsius auf den Millimeter exakt gebogen. Zwischen der Vierfach-Verglasung liegen zwei Folien, die mit kleinen basaltgrauen, reflektierenden Punkten bedruckt wurden. Diese Folien reflektieren das Sonnenlicht und haben somit einen kühlenden Effekt für die Innenräume. Außerdem sorgen sie für die besondere Optik im Stadtbild: Sie lassen die Elbphilharmonie wie einen Kristall im Sonnenlicht funkeln. Jedes Glaselement wiegt bis zu 1,2 Tonnen und soll Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde aushalten.

Aussichtsreich: Plaza mit Blick über die Stadt

Die bauliche Fuge zwischen dem backsteinernen Kaispeicher A und dem futuristischem Glasbau bildet den zentralen Begegnungsort im achten Stockwerk der Elbphilharmonie, die 4000 Quadratmeter große Plaza.

Eine 82 Meter lange Rolltreppe führt hinauf zur Plaza. Sie ist konkav gebogen, sodass die Besucher das Ende der Rolltreppe zu Beginn nicht sehen. Sie tauchen ein in einen beleuchteten Tunnel. Rund 8.000 Glaspailletten, die das Licht reflektieren und brechen, sollen auf die besondere Atmosphäre dieses Gebäudes einstimmen. Die Fahrt dauert etwa 2,5 Minuten. Oben angekommen eröffnet sich dem Betrachter ein erster Panoramablick Richtung St. Pauli Landungsbrücken, bevor eine weitere kurze Rolltreppe die letzte Wegstrecke zur Plaza bildet. Die Plaza ist auch barrierefrei über zwei Aufzüge erreichbar, die im Eingangsbereich der Elbphilharmonie ausgeschildert sind.

Die Plaza ist als Aussichtplattform seit Anfang November 2016 öffentlich zugänglich. Ein Außenrundgang um das gesamte Gebäude herum ermöglicht einen 360-Grad-Blick auf Hamburg. In 37 Metern Höhe haben Besucher somit einen grandiosen Blick über den Hafen, die Hafenkante, Speicherstadt und HafenCity. In den ersten vier Wochen hätten bereits 250.000 Besucher die Möglichkeit genutzt, die Plaza kennenzulernen, erzählt Enno Isermann, Pressesprecher der Kulturbehörde, während des Presserundgangs.

Über die im Innenbereich liegenden Foyers gelangen die Veranstaltungsgäste künftig in den Kleinen und Großen Konzertsaal. Auf der Plaza-Ebene befinden sich zudem ein Souvernir-Shop sowie ein Café mit Speisen und Getränken zum Mitnehmen. Des Weiteren kommt man dort zum Empfangsbereich des Hotels.

Demokratisch: Gute Sicht und gutes Hören für alle

Die Besucher gelangen ohne Türen bis hinauf auf die Plaza. Ohne abgeschlossene Bereiche bietet der zentrale Begegnungsort innen und außen viele Sichtachsen, sodass Besucher von überall in andere Bereiche schauen zu können. Auch im Großen Konzertsaal ist die demokratische Idee umgesetzt: Publikum und Künstler sind nah beieinander; von allen Plätzen sollen die Gäste gute Sicht auf die Bühne und einen guten Hörgenuss haben.

Puristisch: wenige Baumaterialien

Die architektonische Grundidee, den archaischen, kantigen Backsteinbau und mit einem geschwungenen Glasaufbau zu verbinden, setzt sich im Gebäude weiter fort.

Wenige weitere Baumaterialien kommen zum Einsatz: Beton, Eichenholz als Parkett, das Gebrauchsspuren zeigen soll, Metall und die „weiße Haut“ (Gipsfaserplatten) im großen Konzertsaal sowie Glas, zum Beispiel in Form handgefertigter Deckenlampen, und speziell gebrannter Backstein – passend zum Material des Kaispeichers – als Bodenbelag der Plaza.

Auffällig sind die schrägen Säulen im Innenbereich. Sie leiten das zu tragende Gewicht ab und sorgen für eine flächige Lastenverteilung. Dadurch konnte der Plaza-Rundgang säulenfrei gebaut werden.

Akustisch-reich: Großer und Kleiner Konzertsaal

Der Große Saal
Das Herzstück der Elbphilharmonie ist der Große Konzertsaal in 50 Metern Höhe. Aus Schallschutzgründen wurde er vom restlichen Gebäude entkoppelt. Der 12.500 Tonnen schwere Saal liegt mit seiner äußeren Schale auf 362 Federpaketen.

Wie Terrassen eines Weinbergs steigen im Großen Saal die Ränge mit 2.100 Sitzplätzen um die in der Mitte liegende Bühne herum steil an. Kein Zuhörer ist weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Für die optimale Akustik – vorrangig auf unverstärkte Musik ausgerichtet – wurde gemeinsam mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota eine besondere Wand- und Deckenstruktur entwickelt: die „Weiße Haut“. Sie besteht aus 10.000 millimetergenau und individuell gefrästen Gipsfaserplatten (Altpapier und Naturgips), die den Schall gezielt in alle Winkel des Saals streuen.

Die Platten sind in verschiedener Stärke und mit unterschiedlich tiefer Oberflächenstruktur gefräst, je nachdem, welche akustischen Eigenschaften an den entsprechenden Flächen im Saal gebraucht werden. Die einzelnen Elemente wiegen je nach Stärke und Größe zwischen 35 und 125 Kilogramm. Insgesamt wirken sie wie eine einheitliche Haut, die sich über insgesamt 6.500 Quadratmeter erstreckt.

Ein Reflektor unter der spitz nach oben zulaufenden Saaldecke sorgt zusätzlich dafür, den Schall über der Bühne bestens zu verteilen. In diesem an einen Kronleuchter erinnernden Element sind die zentrale Saalbeleuchtung und Teile der Bühnentechnik untergebracht.

Ein Bonner Orgelbauer hat die viermanualige und mit 65 Registern ausgestattete Konzertsaalorgel für den Großen Saal entwickelt. Sie umfasst 15 mal 15 Meter. Die 4.765 Orgelpfeifen sind von 11 Millimeter bis 10 Meter groß und befinden sich in, neben und hinter den Zuschauerrängen. Wenige Pfeifen sind aus Holz gefertigt, mehrheitlich bestehen sie aus Zinn. Im Zuschauerbereich wurden sie speziell beschichtet, sodass sie die Gäste sie sogar anfassen dürfen.

Die Besucherstühle im Saal sind herausnehmbar. Das ermöglicht es beispielsweise, flexibel Plätze für Rollstuhlfahrer einzurichten.

Der Kleine Saal
An der Ostseite der Elbphilharmonie liegt der Kleine Saal in Form eines Schuhkartons. Die Wände dieses Konzertsaals sind mit wellenförmig gefrästen Paneelen aus französischer Eiche verkleidet. Nachdem der Saal bereits fertiggestellt war, finden im Dezember Nachbesserungen statt, um eine noch perfektere Akustik zu erreichen – wie es vorher auch im Großen Saal der Fall war. An einer Wand werden die Holzpaneele hochkant um 10 Grad gedreht – sodass sie nicht mehr in einer Flucht nebeneinander stehen, sondern jeweils schräg in den Raum hineinragen. Dadurch solle sich der Schall noch besser verteilen. Mit dem Akustiker sei vertraglich vereinbart, so Enno Isermann, dass er bis zum Schluss optimieren dürfe. Der Saal ist für bis zu 550 Personen konzipiert und sowohl für Kammermusik als auch modular für unterschiedliche Anlässe nutzbar. Denkbar sind etwa Lieder- und Soloabende sowie Jazz- und Weltmusikkonzerte. Umlaufend in einer Galerie verbirgt sich die Technik. Das terrassenförmige Gestühl lässt sich komplett in die Wand einfahren.

Das Sinfonieorchester des NDR wird unter seinem neuen Namen NDR Elbphilharmonie Orchester Residenzorchester im Großen Saal und das Ensemble Resonanz wird das Residenzorchester im Kleinen Saal.

Lebendig: Musik und Musikinstrumente selbst ausprobieren

Das Kaistudio1 ist der dritte Konzertsaal. Er befindet sich im Inneren des ehemaligen Kaispeichers und ist ausgelegt für etwa 170 Besucher. Dieser Saal werde das Zentrum des Musikvermittlungsbereichs bilden und als Aufführungsort für zeitgenössische und experimentelle Musik sowie als Probensaal für Ensembles und Chöre dienen, erläutert Tom R. Schulz, Pressesprecher der Elbphilharmonie.

Neben dem Kaistudio 1 werden demnach sechs weitere Probenräume, Backstage- und Foyerräume den musikpädagogischen Bereich ergänzen. Derzeit zieht das Klingende Museum Hamburg in die Elbphilharmonie um. Bisher war es im Souterrain der Laeiszhalle beheimatet. Ab 2017 wird es unter dem Namen „Instrumentenwelt“ Herzstück des umfangreichen Musikvermittlungsbereichs der Elbphilharmonie. Mit seiner großen Instrumentensammlung soll es dort vor allem Kindern aller Altersgruppen erste Erfahrungen mit Musik und Musikinstrumenten ermöglichen. Erklärter Wille des Hamburger Senats ist es, dass jedes Hamburger Kind in seiner schulischen Laufbahn die Elbphilharmonie besuchen soll. Darüber hinaus soll sich der Musikvermittlungsbereich mit Konzerten für Kinder und Familien, Mitmachprojekten und Workshops für alle Altersklassen zu einer lebendigen Plattform für musikalische Begegnungen ganz unterschiedlicher Art entwickeln.

Weitere Information: www.elbphilharmonie.de

(Redaktion)


 


 

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